Physiotherapie nach Oberschenkelhalsbruch

Am ersten Tag aufstehen, in den ersten Wochen täglich gehen, danach Kraft und Gleichgewicht: So kommt die Selbstständigkeit zurück.

Auf dieser Seite
  1. Was operiert wird und was das bedeutet
  2. Vom Klinikbett zur eigenen Wohnung: der Zeitplan
  3. Was Angehörige tun können
  4. Zurück in die eigene Wohnung
  5. Häufige Fragen
Kurz gesagt: Der Oberschenkelhalsbruch ist der typische Sturzbruch im Alter und wird fast immer operiert, mit Schrauben oder einer Hüftprothese. Entscheidend für die Selbstständigkeit danach: am ersten Tag aufstehen, in den ersten Wochen täglich gehen, in den ersten Monaten Kraft und Gleichgewicht aufbauen, zu Hause weiterüben. Wir begleiten nach der Reha in der Praxis oder als Hausbesuch.

Was operiert wird und was das bedeutet

Bei jüngeren Patienten und unverschobenen Brüchen wird der Schenkelhals mit Schrauben oder einer Klinge verschraubt, bei älteren Menschen meist eine Hüftprothese eingesetzt (Duokopf- oder Totalendoprothese), weil sie sofort belastbar ist. Nach Prothese gelten die Regeln der Hüft-TEP (Luxationsschutz je nach Zugang), nach Verschraubung oft eine Teilbelastung für einige Wochen. Beides ist nur der Anfang: Ohne gezieltes Training verliert etwa die Hälfte der über 80-Jährigen nach dem Bruch dauerhaft an Selbstständigkeit. Mit Training geht es bei den meisten zurück in die eigene Wohnung.

Vom Klinikbett zur eigenen Wohnung: der Zeitplan

Tag 1 bis 7 (Klinik)

Aufstehen und gehen

Am ersten Tag nach der OP an die Bettkante und mit Gehwagen oder Unterarmstützen erste Schritte. Thrombose- und Lungenentzündungsprophylaxe, Transfers, Bettmobilität, Treppe vor Entlassung. Schmerzmittel, damit Bewegung möglich ist.

Woche 2 bis 4 (Reha)

Gehstrecke, Kraft, Selbstversorgung

Geriatrische oder orthopädische Reha: Gehen mit steigender Strecke, Treppen, Kraft für Beine und Rumpf, Gleichgewicht, Anziehen, Körperpflege, Küche. Hilfsmittelversorgung (Rollator, Toilettensitzerhöhung, Greifzange).

Woche 5 bis 12 (zu Hause, bei uns)

Stabil werden

Ambulante Physiotherapie 2 bis 3 x pro Woche in der Praxis oder als Hausbesuch: Kniebeugen am Stuhl, Aufstehen ohne Hände, Wadenheben, Einbeinstand mit Sicherung, Gehen draußen, Treppe, Aufstehen vom Boden. Wohnungs-Check gegen den nächsten Sturz.

Ab Monat 3

Dranbleiben

Heimprogramm täglich, Gehen an der Luft, Krafttraining 2 x pro Woche, Gleichgewicht. Die meisten erreichen nach 6 bis 12 Monaten wieder ihr altes Niveau, wenn sie konsequent üben. Osteoporose-Abklärung und Medikamente gehören dazu, denn der zweite Bruch ist häufig.

Was Angehörige tun können

  • Zutrauen statt Abnehmen: Aufstehen, Anziehen, kleine Wege selbst machen lassen, auch wenn es länger dauert
  • Wohnung sicher machen: Teppiche weg, Nachtlicht, Haltegriffe in Bad und Flur, feste Hausschuhe
  • Beim Heimprogramm mitzählen, loben, dranbleiben, gern gemeinsam üben
  • Auf Schwindel, Medikamentenwirkungen und Sehstärke achten, mit dem Hausarzt besprechen
  • Verordnung rechtzeitig verlängern lassen, damit keine Pause entsteht

Nach einem Oberschenkelhalsbruch besteht besonderer Verordnungsbedarf für 6 Monate, Hausbesuche sind bei eingeschränkter Mobilität verordenbar. Unsere Programme für zu Hause: Gleichgewichtsübungen, Übungen im Sitzen und Osteoporose-Übungen; die Checkliste unter Sturzprophylaxe.

Häufige Fragen

Wie lange dauert es nach einem Oberschenkelhalsbruch?

Gehen mit Hilfsmittel nach Tagen, ohne Hilfsmittel oft nach 6 bis 12 Wochen, das alte Niveau nach 6 bis 12 Monaten. Je konsequenter das Training, desto vollständiger die Erholung.

Kommt die Physiotherapie nach Hause?

Ja, wenn der Arzt einen Hausbesuch verordnet, weil der Weg in die Praxis noch nicht möglich ist. Wir üben dann Treppe, Bad und Wohnungswege dort, wo sie gebraucht werden, und wechseln in die Praxis, sobald es geht.

Darf mein Angehöriger schon voll belasten?

Nach Prothese meist ja, nach Verschraubung oft erst nach 6 Wochen Teilbelastung. Die Vorgabe steht im Entlassbrief, wir richten uns danach und üben das richtige Maß mit Gehhilfen.

Wie verhindern wir den nächsten Sturz?

Kraft und Gleichgewicht trainieren, Wohnung sichern, Sehstärke und Medikamente prüfen, Osteoporose behandeln, feste Schuhe. Der erste Bruch verdoppelt das Risiko für den zweiten, deshalb lohnt sich jede Maßnahme.

Anrufen Termin anfragen