Physiotherapie im Alter
Kraft, Gleichgewicht und Beweglichkeit sind in jedem Alter trainierbar. Wie Physiotherapie Selbstständigkeit erhält, in der Praxis oder zu Hause.
Beweglich bleiben, selbstständig bleiben
Im Alter geht es in der Physiotherapie weniger um Rekorde als um Alltag: aus dem Sessel aufstehen, Treppen steigen, einkaufen, Enkel heben. Diese Fähigkeiten hängen von drei Dingen ab, die trainierbar sind: Kraft, Gleichgewicht und Beweglichkeit. In unserer Praxis in Brühl behandeln wir viele Patienten über 70, in der Praxis oder als Hausbesuch, mit Programmen, die zum Alltag und zur Tagesform passen.
Typische Anlässe
- Gangunsicherheit, Stürze, Angst vor Stürzen
- Arthrose in Knie, Hüfte, Händen, Wirbelsäule
- Nach Gelenkersatz, Bruch (Oberschenkelhals, Handgelenk, Wirbel)
- Osteoporose, Wirbelkörperbrüche
- Nach Krankenhausaufenthalt: Kraftverlust, Bettlägerigkeit
- Parkinson, Schlaganfall, Demenz (begleitend)
- Chronische Rückenschmerzen, Spinalkanalstenose
- Atemnot, COPD, Herzschwäche (in Abstimmung mit dem Arzt)
Was wir anders machen
- Ziele aus dem Alltag: "allein zum Bäcker" statt "10 Kniebeugen"
- Kurze, regelmäßige Einheiten, Pausen nach Tagesform
- Kraft- und Gleichgewichtstraining als Kern, kein bloßes Massieren
- Hilfsmittelberatung: Rollator, Gehstock, Greifzange, Badhilfen
- Angehörige einbeziehen, Heimprogramm mit Bildern
- Abstimmung mit Hausarzt, Pflegedienst, Ergotherapie
Osteoporose: Knochen brauchen Belastung
Bei Osteoporose sind die Knochen porös und brechen leicht, meist Wirbel, Handgelenk und Oberschenkelhals. Neben Medikamenten, Vitamin D und Kalzium ist Bewegung die wichtigste Therapie: Knochen bauen sich nur unter Zug und Druck auf. Wir trainieren Kraft gegen Widerstand, aufrechte Haltung, Gleichgewicht gegen Stürze und rückenschonende Alltagsbewegungen. Zu vermeiden: Rumpfbeugen mit rundem Rücken, ruckartige Drehungen, Sprünge bei fortgeschrittener Osteoporose. Passendes Programm: Osteoporose-Übungen.
Nach dem Krankenhaus: den Abbau stoppen
Eine Woche Bettruhe kostet bis zu 10 Prozent Muskelkraft. Wer nach einem Klinikaufenthalt nach Hause kommt, hat oft mehr Probleme mit dem Aufstehen als mit der Erkrankung, die zum Aufenthalt führte. Frühe Physiotherapie, am besten als Hausbesuch in der ersten Woche, verhindert die Abwärtsspirale: Aufstehen, Gehen, Treppe, dann Kraft und Ausdauer. Fragen Sie im Krankenhaus nach einer Verordnung für die Zeit nach der Entlassung (Entlassmanagement, Rezept für bis zu 7 Tage).
Fünf Minuten täglich: das Minimalprogramm
- Aufstehen vom Stuhl ohne Hände, 10 x. Wenn zu schwer: mit Händen, wenn zu leicht: mit Rucksack.
- Wadenheben am Küchentisch, 15 x.
- Einbeinstand am Tisch, je 20 Sekunden.
- Tandemstand (ein Fuß direkt vor dem anderen), 20 Sekunden je Seite.
- Aufrichten: im Sitzen Schulterblätter zusammenziehen, Kinn zurück, 10 x.
Mehr dazu in unserem Beitrag zur Sturzprophylaxe.
Häufige Fragen
Ist es mit 80 noch sinnvoll, Muskeln aufzubauen?
Ja. Muskeln reagieren in jedem Alter auf Training, Studien zeigen Kraftzuwächse von 30 bis 50 Prozent auch bei über 90-Jährigen nach 12 Wochen. Der Zuwachs ist oft größer als bei Jüngeren, weil das Ausgangsniveau niedriger ist.
Was ist Sarkopenie?
Der altersbedingte Verlust von Muskelmasse und Kraft, ab 50 etwa 1 bis 2 Prozent pro Jahr, ohne Training deutlich mehr. Folgen: Gangunsicherheit, Stürze, Verlust der Selbstständigkeit. Gegenmittel: Krafttraining und ausreichend Eiweiß (1 bis 1,2 g pro kg Körpergewicht).
Wie oft sollten Senioren zur Physiotherapie?
Bei akuten Problemen nach Verordnung 1 bis 3 x pro Woche. Als Erhaltung reichen oft ein Heimprogramm und eine Kontrolle alle paar Wochen. Bei Pflegegrad oder eingeschränkter Mobilität als Hausbesuch.
Übernimmt die Pflegekasse etwas?
Die Pflegekasse zahlt keine Physiotherapie, das bleibt Aufgabe der Krankenkasse per Rezept. Sie finanziert aber Hilfsmittel, Wohnraumanpassung (bis 4.000 Euro) und Beratung. Wir helfen bei der Abgrenzung.