Physiotherapie nach Hüft-TEP

Woche für Woche nach dem künstlichen Hüftgelenk: Luxationsregeln, Gangbild, Kraft und der Weg zurück in Alltag und Sport.

Der Fahrplan nach dem künstlichen Hüftgelenk

Die Hüft-Totalendoprothese gehört zu den erfolgreichsten Operationen überhaupt: Über 95 Prozent der Patienten sind nach einem Jahr schmerzfrei und mobil. Damit das gelingt, braucht die neue Hüfte Muskeln, die sie führen, und ein Gangbild ohne Schonhinken. Hier der typische Verlauf, den wir in Brühl begleiten, nach der Reha oder direkt aus der Klinik, in den ersten Wochen auf Wunsch als Hausbesuch.

Tag 1 bis 7

Klinik

Aufstehen am OP-Tag oder Tag 1, Gehen mit Stützen, Treppe mit Geländer, Thromboseprophylaxe, Luxationsprophylaxe lernen (Anziehen, Sitzen, Drehen im Bett), Entlassung meist nach 4 bis 7 Tagen.

Woche 2 bis 4

Reha

Täglich Krankengymnastik, Gangschule, Kräftigung der Hüftmuskulatur, Bewegungsbad, Alltagstraining (Schuhe, Auto, Bad). Beweglichkeit und Belastung nach Vorgabe des Operateurs steigern.

Woche 5 bis 12

Ambulante Physiotherapie bei uns

2 bis 3 x pro Woche: Gangbild ohne Hinken, Abbau der Stützen, Kräftigung der Abduktoren und Strecker, Gleichgewicht, Narbenbehandlung, Ergometer. Freigabe für Autofahren und leichte Arbeit.

Monat 3 bis 6

Belastbarkeit aufbauen

1 bis 2 x pro Woche: Kraftausdauer, längere Gehstrecken, Treppen im Wechselschritt, Rückkehr in Beruf und Sport, Heimprogramm festigen.

Ab Monat 6

Eigenständiges Training

2 bis 3 x pro Woche Kräftigung und Ausdauer, jährliche Kontrolle beim Operateur. Die Prothese hält bei guter Muskelführung 20 Jahre und länger.

Die drei Luxationsregeln (hinterer Zugang)

In den ersten Wochen kann die neue Hüfte aus der Pfanne springen, wenn die Kapsel noch nicht verheilt ist. Bis zur Freigabe durch den Operateur gilt:

Nicht über 90 Grad beugen

Hohe Sitzgelegenheiten, Toilettensitzerhöhung, keine tiefen Sessel. Schuhe mit langem Schuhlöffel, Socken mit Anziehhilfe.

Beine nicht kreuzen

Im Sitzen und Liegen Beine parallel, nachts Kissen zwischen den Knien, beim Drehen im Bett das Kissen mitnehmen.

Nicht nach innen drehen

Fußspitzen beim Sitzen und Gehen leicht nach außen, beim Umdrehen nicht auf dem operierten Bein pivotieren, sondern kleine Schritte machen.

Beim vorderen Zugang (AMIS, DAA) entfallen diese Regeln meist, dafür sollte Überstreckung vermieden werden. Ihr OP-Bericht und das Nachbehandlungsschema geben die genauen Vorgaben.

Worauf wir in der Therapie achten

Die vier Ziele

  • Gangbild: symmetrisch, ohne Trendelenburg-Hinken, früh ohne Stützen
  • Kraft: Abduktoren, Gesäß, Oberschenkel
  • Beweglichkeit: Streckung 0 Grad, Beugung über 100 Grad
  • Gleichgewicht: Sturzprophylaxe, Einbeinstand

Was Sie selbst tun können

  • Heimübungen 2 x täglich, besonders Abduktion im Stehen und Liegen
  • Täglich gehen, Strecke langsam steigern
  • Ergometer ab Freigabe mit hohem Sattel
  • Kompressionsstrümpfe und Thromboseprophylaxe wie verordnet
  • Bei Rötung, Fieber, plötzlichem Schmerz oder Beinverkürzung sofort zum Arzt

Häufige Fragen

Welche Bewegungen darf ich nach der Hüft-TEP nicht machen?

Das hängt vom Zugang ab. Beim klassischen hinteren Zugang gilt in den ersten 6 bis 12 Wochen: nicht über 90 Grad beugen, Beine nicht kreuzen, Bein nicht nach innen drehen. Beim vorderen (minimalinvasiven) Zugang sind die Einschränkungen geringer. Der Operateur legt die Regeln fest, wir üben sie mit Ihnen.

Wann darf ich wieder Auto fahren?

Meist nach 6 Wochen, bei linker Hüfte und Automatik oft früher. Voraussetzung: sicheres Bremsen und Einsteigen ohne Luxationsgefahr. Freigabe durch den Operateur.

Wie lange brauche ich Gehstützen?

Bei zementierten Prothesen und Vollbelastung meist 4 bis 6 Wochen, bei zementfreien Prothesen je nach Vorgabe teils länger mit Teilbelastung. Ziel ist ein hinkfreies Gangbild, nicht möglichst frühes Weglassen der Stützen.

Warum hinke ich noch nach Monaten?

Meist wegen Schwäche der Hüftabduktoren (seitliche Gesäßmuskeln), die vor der OP durch Schonhaltung abgebaut haben (Trendelenburg-Hinken). Gezieltes Kräftigungstraining über 3 bis 6 Monate behebt das in der Regel.

Welcher Sport nach Hüft-TEP?

Radfahren, Schwimmen, Wandern, Nordic Walking, Golf, Skilanglauf. Mit Erfahrung: Tennis (Doppel), Ski alpin. Nicht empfohlen: Joggen auf Asphalt, Fußball, Squash, Kampfsport.

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