Morbus Bechterew: Physiotherapie für Beweglichkeit
Medikamente bremsen die Entzündung, Bewegung erhält die Wirbelsäule. Die vier Ziele der Therapie und wie das tägliche Programm aussieht.
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Was die Krankheit mit der Wirbelsäule macht
Morbus Bechterew ist eine chronisch-entzündliche Rheumaerkrankung, die vor allem Kreuz-Darmbein-Gelenke und Wirbelsäule betrifft. Typisch: tiefer Rückenschmerz, der in der zweiten Nachthälfte weckt, morgens über 30 Minuten Steifigkeit, Besserung durch Bewegung, nicht durch Ruhe. Beginn meist zwischen 20 und 40. Unbehandelt kann die Entzündung zur Verknöcherung der Wirbelsäule führen, sie versteift in gebeugter Haltung, Brustkorb und Hüften werden unbeweglich. Moderne Medikamente (NSAR, Biologika) bremsen die Entzündung. Was sie nicht können: Beweglichkeit erhalten, Haltung sichern, Atmung trainieren. Das ist Aufgabe der Physiotherapie und Ihres täglichen Programms.
Die vier Ziele der Therapie
Aufrichtung erhalten
Die Wirbelsäule neigt zur Beugung. Wir trainieren die Gegenrichtung: Rückenstrecker, Streckung der Brustwirbelsäule, Dehnung der Brustmuskeln, Hüftstreckung. Haltungskontrolle im Alltag: Wandstand, Blick geradeaus, keine Kissenberge im Bett, Bauchlage einige Minuten täglich.
Beweglichkeit in alle Richtungen
Tägliche Mobilisation von Hals-, Brust- und Lendenwirbelsäule, Hüften und Schultern, bis an die Grenze ohne Schmerzspitze. Wer täglich 15 Minuten übt, verliert messbar weniger Beweglichkeit. Wir messen regelmäßig (BASMI), damit Sie den Erfolg sehen.
Atmung
Versteifen die Rippenwirbelgelenke, wird die Atmung flach. Atemtherapie mit Brustkorbdehnung, Zwerchfellatmung und Ausdauertraining hält die Lunge leistungsfähig. Schwimmen und Rudern kombinieren beides.
Kraft und Ausdauer
Krafttraining für Rumpf, Hüfte und Schultergürtel, Ausdauer 3 x pro Woche. Beides senkt Entzündungsaktivität und Fatigue, bessert Schlaf und Stimmung. Kontaktsport und Sportarten mit Sturzrisiko bei fortgeschrittener Versteifung meiden, weil die versteifte Wirbelsäule leichter bricht.
Verordnung, Gruppe, Reha
Morbus Bechterew steht auf der Liste des langfristigen Heilmittelbedarfs: Krankengymnastik, Manuelle Therapie und Wärme sind dauerhaft und ohne Budgetgrenze verordenbar, in Schubphasen häufiger. Ergänzend gibt es Funktionstraining in Gruppen der Deutschen Vereinigung Morbus Bechterew (DVMB), auf Verordnung von der Kasse bezahlt, und Rehabilitationsaufenthalte etwa alle 4 Jahre. Bei akutem Schub arbeiten wir sanfter, bei Iritis (rotes, schmerzendes Auge) gehört der Weg sofort zum Augenarzt, nicht in die Praxis.
Häufige Fragen
Wie viel muss ich täglich üben?
Mindestens 15 bis 20 Minuten Mobilisation und Haltung, dazu 3 x pro Woche Kraft und Ausdauer. Bechterew-Patienten, die täglich üben, bleiben nachweislich beweglicher und brauchen weniger Schmerzmittel.
Ist Wärme oder Kälte besser?
Wärme bei Steifigkeit und Muskelverspannung, morgens vor dem Üben. Kälte bei akuter Entzündung eines Gelenks. Viele profitieren von Wärmeanwendungen in der Praxis vor der Mobilisation.
Welche Sportarten sind gut?
Schwimmen (Rücken, Kraul), Nordic Walking, Radfahren mit aufrechtem Lenker, Rudern, Bogenschießen, Tai-Chi, Gerätetraining. Ungünstig: Kontaktsport, Sportarten mit Beugung und Rotation unter Last, Sturzrisiko bei Versteifung.
Zahlt die Kasse dauerhaft Physiotherapie?
Ja, über den langfristigen Heilmittelbedarf ohne Budgetgrenze für den Arzt. Zusätzlich Funktionstraining in der Gruppe (Rehasport) mit eigener Verordnung, meist 24 Monate.