Wirbelbruch bei Osteoporose: Physiotherapie

Oft ohne Sturz, oft unbemerkt: Wie der Wirbel heilt, der Rücken sich aufrichtet und der nächste Bruch ausbleibt.

Auf dieser Seite
  1. Was passiert und wie man es erkennt
  2. Akutphase, Aufbau, Prävention
  3. Aufrichten und den nächsten Bruch verhindern
  4. Häufige Fragen
Kurz gesagt: Ein osteoporotischer Wirbelbruch entsteht oft ohne Sturz, beim Heben oder Bücken, und wird häufig erst am Größenverlust und Rundrücken erkannt. Er heilt in 6 bis 12 Wochen. Physiotherapie hilft dabei, Schmerz zu kontrollieren, den Rücken aufzurichten und vor allem den nächsten Bruch zu verhindern: durch Kraft, Gleichgewicht und rückengerechte Bewegung.

Was passiert und wie man es erkennt

Bei Osteoporose sind die Wirbelkörper porös. Schon eine Alltagsbelastung kann sie einsinken lassen (Sinterungsbruch), meist in der unteren Brust- oder oberen Lendenwirbelsäule. Typisch: plötzlicher, tiefer Rückenschmerz beim Bücken, Heben oder Husten, Schmerz beim Aufrichten und Drehen, Besserung im Liegen. Jeder zweite Bruch bleibt zunächst unbemerkt und fällt später durch Rundrücken, Größenverlust über 3 cm oder Bauchvorwölbung auf. Das Röntgenbild sichert die Diagnose, die Knochendichtemessung zeigt das Ausmaß der Osteoporose. Warnzeichen wie Lähmung, Taubheit oder Blasenstörung sind selten und gehören sofort in die Klinik.

Akutphase, Aufbau, Prävention

1. Akutphase (Woche 1 bis 6)

Schmerzmittel nach ärztlicher Vorgabe, damit Bewegung möglich bleibt. Kurze Bettruhe, dann aufstehen über die Seite, Gehen mehrmals täglich. Keine Rumpfbeugung, keine Drehung, kein Heben. Eine aufrichtende Orthese kann in dieser Phase helfen. Atemtherapie, weil die Atmung flach wird. Isometrische Aktivierung von Rücken und Bauch im Liegen.

2. Aufbau (Woche 6 bis 12)

Rückenstrecker kräftigen (Bauchlage mit Kissen, Vierfüßler, Wandstand), Aufrichtung der Brustwirbelsäule, Schulterblätter, Hüfte und Beine für rückengerechtes Aufstehen und Heben. Gehen, Ergometer, Wassergymnastik. Unser Programm: Osteoporose-Übungen.

3. Dauerhaft (ab Monat 3)

Krafttraining gegen Widerstand 2 bis 3 x pro Woche, Gleichgewicht täglich, Sturzprophylaxe zu Hause, Haltungsschulung im Alltag. Kein Rumpfbeugen mit Gewicht, keine Sit-ups, keine ruckartigen Drehungen, keine Sprünge. Medikamente, Vitamin D und Kalzium nach ärztlichem Plan.

Wann Kyphoplastie

Bei starken Schmerzen, die nach 3 bis 6 Wochen konservativer Therapie nicht nachlassen, oder bei zunehmendem Einsinken kann der Wirbel mit Knochenzement stabilisiert werden (Kypho- oder Vertebroplastie). Danach beginnt die Physiotherapie sofort mit demselben Ziel: Aufrichtung, Kraft, nächsten Bruch verhindern.

Der Hausarzt oder Orthopäde verordnet Krankengymnastik; nach einem osteoporotischen Bruch besteht meist langfristiger Heilmittelbedarf. Auch Funktionstraining in der Gruppe (Rehasport) wird bezahlt. Wer bereits einen Bruch hatte, hat ein deutlich erhöhtes Risiko für den nächsten, deshalb lohnt sich jetzt die Kombination aus Medikamenten, Training und Sturzprophylaxe. Mehr zur Physiotherapie im Alter: Physiotherapie im Alter.

Häufige Fragen

Wie lange dauert ein osteoporotischer Wirbelbruch?

Der Knochen heilt in 6 bis 12 Wochen, der Schmerz lässt meist nach 4 bis 8 Wochen deutlich nach. Aufrichtung und Kraft brauchen 3 bis 6 Monate Training, das danach als Erhalt weiterläuft.

Darf ich mit Wirbelbruch überhaupt üben?

Ja, sogar früh: Gehen, Atmung, isometrische Anspannung und Aufrichtung sind ab der ersten Woche sinnvoll. Vermeiden Sie Beugen, Drehen und Heben, bis der Arzt den Bruch als stabil einstuft.

Welche Übungen sind bei Osteoporose verboten?

Rumpfbeugen mit rundem Rücken und Gewicht, Sit-ups, ruckartige Drehungen, Sprünge und Stöße bei fortgeschrittener Osteoporose. Erlaubt und nötig: Kräftigung gegen Widerstand in aufrechter Haltung.

Brauche ich ein Korsett?

Eine aufrichtende Orthese kann in der Akutphase Schmerz lindern und die Haltung stützen, sollte aber nur stundenweise und nicht länger als einige Wochen getragen werden, sonst schwächt sie die Muskulatur.

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