Schleudertrauma: Physiotherapie nach HWS-Distorsion

Steifer Nacken nach dem Auffahrunfall: Warum frühe Bewegung besser heilt als die Halskrause und wann Sie in die Klinik müssen.

Auf dieser Seite
  1. Was beim Schleudertrauma passiert
  2. Behandlung: Bewegung statt Kragen
  3. Warnzeichen: sofort in die Klinik
  4. Nach dem Unfall früh bewegen
  5. Häufige Fragen
Kurz gesagt: Nach einem Auffahrunfall ist der Nacken steif und schmerzt, oft erst am nächsten Tag. Das ist eine HWS-Distorsion, meist ohne strukturelle Verletzung. Die beste Behandlung ist frühe, normale Bewegung. Eine Halskrause verlängert die Beschwerden. Bei Ausfällen, starkem Schwindel oder Sehstörungen sofort in die Klinik.

Was beim Schleudertrauma passiert

Beim Aufprall wird der Kopf ruckartig nach hinten und vorn geschleudert. Muskeln, Bänder und Gelenkkapseln der Halswirbelsäule werden überdehnt. In der Regel entsteht keine Verletzung, die man im Röntgenbild sieht, deshalb ist die Bildgebung nur bei Warnzeichen nötig (Canadian C-Spine Rule). Typische Beschwerden: Nackenschmerz und Steife, Kopfschmerz vom Hinterkopf, Schwindel, Konzentrationsstörungen, Schlafprobleme, oft 12 bis 48 Stunden nach dem Unfall beginnend. Die Einteilung nach Grad 0 bis 4 (Quebec Task Force) beschreibt Ausmaß und Warnzeichen; Grad 1 und 2 sind die Regel und heilen gut.

Behandlung: Bewegung statt Kragen

Erste Tage

  • Ärztliche Abklärung, bei Warnzeichen Bildgebung
  • Keine Halskrause länger als 1 bis 2 Tage, besser gar nicht
  • Nacken sanft in alle Richtungen bewegen, mehrmals täglich, Wärme
  • Normalen Alltag beibehalten, so weit es geht, auch Arbeit
  • Schmerzmittel für wenige Tage, damit Bewegung möglich bleibt

Physiotherapie ab Woche 1

  • Aktive Mobilisation, Manuelle Therapie an HWS und Brustwirbelsäule
  • Kräftigung der tiefen Halsmuskeln (Kinn-Retraktion), Schulterblatt, Haltung
  • Blick- und Gleichgewichtsübungen bei Schwindel
  • Aufklärung: Die HWS ist stabil, Bewegung ist sicher, Angst verlängert die Beschwerden
  • Stufenweise Rückkehr zu Sport und Belastung

Die meisten sind nach 4 bis 6 Wochen beschwerdefrei. Bei einem Teil werden die Beschwerden chronisch, und das hängt weniger von der Aufprallstärke ab als von Angst, Vermeidung, Schmerzerwartung und Unfallverarbeitung. Deshalb gehören Information und aktive Therapie von Anfang an dazu. Nach einem Verkehrsunfall läuft die Behandlung über die Krankenkasse mit Verordnung des Arztes, die Kosten holt sich die Kasse gegebenenfalls von der Haftpflicht des Unfallverursachers. Bei Arbeits- oder Wegeunfall ist die Berufsgenossenschaft zuständig.

Warnzeichen: sofort in die Klinik

  • Lähmungen, Taubheit oder Kribbeln in Armen oder Beinen
  • Starker Schwindel, Doppelbilder, Sprach- oder Schluckstörungen
  • Bewusstseinsverlust beim Unfall, zunehmende Kopfschmerzen, Erbrechen
  • Schmerz in der Mitte der Halswirbelsäule mit Druckschmerz auf den Dornfortsätzen
  • Alter über 65, Osteoporose oder Hochgeschwindigkeitsunfall

Häufige Fragen

Wie lange dauert ein Schleudertrauma?

Meist 2 bis 6 Wochen. Frühe Bewegung, Information und Alltag verkürzen die Zeit, Halskrause, Schonung und Angst verlängern sie. Bei anhaltenden Beschwerden über 3 Monate ist eine intensivere aktive Therapie sinnvoll.

Soll ich eine Halskrause tragen?

Nein, außer der Arzt ordnet sie bei nachgewiesener Instabilität an. Studien zeigen für die weiche Krause schlechtere Ergebnisse als für aktive Bewegung.

Darf ich nach dem Unfall Sport machen?

Sobald der Arzt strukturelle Verletzungen ausgeschlossen hat, ja, dosiert: Gehen, Radfahren, Schwimmen früh, Kontaktsport nach Freigabe und wenn Kraft und Beweglichkeit wieder normal sind.

Wer zahlt die Physiotherapie nach einem Verkehrsunfall?

Ihre Krankenkasse auf ärztliche Verordnung. Sie nimmt den Verursacher beziehungsweise dessen Haftpflichtversicherung in Regress. Lassen Sie den Unfall ärztlich dokumentieren.

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