Rotatorenmanschettenriss: Physiotherapie mit und ohne OP
Ab 60 fast normal, oft ohne Beschwerden: Wann Training die Sehne ersetzt und wann die Naht der bessere Weg ist.
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Was gerissen ist und was das bedeutet
Die Rotatorenmanschette besteht aus vier Muskeln, die den Oberarmkopf in der Pfanne zentrieren und den Arm drehen und heben. Am häufigsten reißt die Supraspinatussehne, entweder langsam durch Verschleiß und Impingement oder plötzlich beim Sturz auf den Arm. Beschwerden: Schmerz beim Heben und nachts, Kraftverlust beim Abspreizen oder Außendrehen, bei großen Rissen kann der Arm kaum gehoben werden (Pseudoparalyse). Der Ultraschall oder das MRT zeigt Größe und Lage. Entscheidend für die Therapie sind Alter, Aktivität, Rissart und ob die Sehne noch nähbar ist: Teilrisse und degenerative Risse bei Menschen über 60 heilen zwar nicht, werden aber durch Training oft beschwerdefrei kompensiert.
Konservativ: die anderen Muskeln übernehmen
Phase 1: Schmerz und Beweglichkeit (Woche 1 bis 6)
Pendeln, aktiv-assistive Bewegung mit Stock oder gesundem Arm, Manuelle Therapie für Kapsel und Schulterblatt, Schlafposition mit Kissen unter dem Ellenbogen. Der Arzt kann bei starkem Schmerz einmal Kortison spritzen. Ziel: volle passive Beweglichkeit.
Phase 2: Kraft (Woche 6 bis 12)
Außen- und Innenrotation mit Band, Schulterblattstabilisation (Rudern, Retraktion), Deltamuskel und Bizeps als Ersatz für die gerissene Sehne, Rumpf und Beine für Alltagsbewegungen. 3 x pro Woche, Schmerz bis 4 von 10 erlaubt.
Phase 3: Alltag und Sport (ab Monat 3)
Heben über Kopf mit Technik, Tragen, Sport ohne Wurf- und Stützbelastung, dann stufenweise mehr. Nach 3 bis 6 Monaten Bilanz: Wer im Alltag zufrieden ist, bleibt konservativ, auch mit Riss im MRT.
Wann genäht wird
Frischer Riss nach Unfall bei Menschen unter 60 bis 65, deutlicher Kraftverlust, nähbare Sehne (nicht zurückgezogen, nicht verfettet) oder keine Besserung nach 3 bis 6 Monaten Therapie. Je früher genäht wird, desto besser heilt die Sehne.
Nach der Naht
Die genähte Sehne braucht 12 Wochen, um am Knochen anzuwachsen. 6 Wochen Schlinge oder Abduktionskissen, in dieser Zeit nur passive Bewegung durch uns im freigegebenen Bereich. Ab Woche 6 aktiv-assistiv, ab Woche 12 Kräftigung, Sport nach 5 bis 6 Monaten, Überkopf- und Wurfsport nach 9 bis 12 Monaten. Der Ablauf im Detail steht unter Physiotherapie nach Schulter-OP. Verordnung: Krankengymnastik und Manuelle Therapie, nach OP über den besonderen Verordnungsbedarf; bei Arbeitsunfällen die Berufsgenossenschaft. Verwandt: Impingement, das oft der Vorläufer des Verschleißrisses ist.
Häufige Fragen
Kann ein Rotatorenmanschettenriss von selbst heilen?
Nein, gerissenes Sehnengewebe wächst nicht zusammen. Aber die übrigen Muskeln können die Funktion übernehmen, sodass viele Betroffene ohne OP beschwerdefrei und belastbar werden.
Wie lange dauert es nach der Naht?
Schlinge 6 Wochen, Alltag mit leichten Tätigkeiten ab Monat 3, Kraft und Sport ab Monat 5 bis 6, Überkopfsport nach 9 bis 12 Monaten. Die Nachbehandlung entscheidet über das Ergebnis.
Wird der Riss größer, wenn ich nicht operiere?
Degenerative Risse können mit den Jahren langsam wachsen, oft ohne dass Beschwerden zunehmen. Regelmäßige Kontrolle und Training verringern das Risiko, dass die Schulter funktionell schlechter wird.
Darf ich mit Riss trainieren?
Ja, das ist die Therapie: gezielte Kräftigung der intakten Manschettenanteile und des Schulterblatts, dosiert und ohne Schmerzspitzen. Vermeiden Sie in der akuten Phase schweres Heben über Kopf und Stützen auf den Arm.