Impingement der Schulter: Physiotherapie statt OP
Schmerz beim Heben zwischen 60 und 120 Grad: Zentrieren, Schulterblatt führen, dosieren. Training ist der OP gleichwertig.
Auf dieser Seite
Warum die Schulter klemmt
Unter dem Schulterdach laufen die Sehnen der Rotatorenmanschette und ein Schleimbeutel durch einen engen Raum. Zieht der Oberarmkopf beim Heben nach oben, weil die Manschette ihn nicht zentriert, oder kippt das Schulterblatt nicht richtig mit, werden Sehnen und Schleimbeutel eingeklemmt: der Painful Arc, der schmerzhafte Bogen zwischen 60 und 120 Grad. Ursachen sind Überkopfarbeit, Sport (Schwimmen, Tennis, Handball), Rundrücken durch Sitzen, Muskelungleichgewicht und altersbedingter Sehnenverschleiß. Die Form des Schulterdachs, lange als Hauptgrund angesehen, spielt nach heutiger Kenntnis eine kleine Rolle, weshalb die früher übliche Abfräsung (Dekompression) in Studien nicht besser abschneidet als Training.
Das Programm, das die OP ersetzt
1. Zentrieren: Rotatorenmanschette
Außenrotation mit Theraband, Ellenbogen am Körper, 3 x 15, täglich. Innenrotation gegen Band. Beide ziehen den Oberarmkopf nach unten in die Pfanne und schaffen Platz unter dem Dach. Nach 4 Wochen mit Abduktion unter 60 Grad ergänzen.
2. Schulterblatt führen
Schulterblätter nach hinten unten (Retraktion), Wand-Engel, Rudern mit Band, Liegestütz-Plus an der Wand. Das Schulterblatt muss beim Heben nach außen drehen, sonst schließt sich der Raum. Brustmuskeln dehnen, Brustwirbelsäule aufrichten.
3. Belastung dosieren
Überkopfarbeit und Sport reduzieren, nicht streichen. Schlafposition anpassen (nicht auf der Schulter, Kissen unter den Ellenbogen). Schmerz bis 4 von 10 beim Üben ist erlaubt, am Folgetag nicht schlimmer.
4. In der Praxis
Manuelle Therapie am Schultergelenk (Gleitmobilisation nach unten und hinten), an Schultereckgelenk und Brustwirbelsäule, Weichteiltechniken. Bei starker Entzündung des Schleimbeutels kann der Arzt einmal Kortison spritzen, um das Training zu ermöglichen.
Dauer: 12 Wochen konsequentes Programm, erste Besserung nach 3 bis 4 Wochen. Wer nach 3 bis 6 Monaten keine Besserung hat, wird per Ultraschall oder MRT untersucht (Sehnenriss, Kalk, Arthrose des Schultereckgelenks). Mehr zu den Nachbarn des Impingements: Kalkschulter und Frozen Shoulder.
Häufige Fragen
Muss ein Impingement operiert werden?
Fast nie. Große Studien zeigen: Die arthroskopische Dekompression bringt nach 1 bis 2 Jahren kein besseres Ergebnis als strukturiertes Training. Operiert wird bei Sehnenrissen mit Kraftverlust oder wenn 6 Monate Therapie nichts bringen.
Darf ich den Arm über Kopf heben?
Ja, im schmerzarmen Bereich. Vermeiden Sie in den ersten Wochen wiederholte Überkopfarbeit mit Gewicht. Heben mit nach außen gedrehtem Arm (Daumen nach oben) ist meist schmerzärmer.
Wie schlafe ich mit Impingement?
Auf dem Rücken mit Kissen unter dem Ellenbogen oder auf der gesunden Seite mit Kissen vor der Brust, auf dem der Arm liegt. Nicht auf der betroffenen Schulter, nicht mit dem Arm über dem Kopf.
Hilft Dehnen?
Dehnung der Brustmuskeln und der hinteren Kapsel (Arm vor dem Körper zur Gegenseite ziehen) ja. Dehnen in die schmerzhafte Höhe nein. Der Schwerpunkt liegt auf Kräftigung.