Polyneuropathie: Physiotherapie für sicheres Gehen
Wenn die Füße den Boden nicht mehr spüren, übernimmt Training: Gleichgewicht, Kraft und Wahrnehmung senken das Sturzrisiko.
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Was die Nerven nicht mehr melden
Bei der Polyneuropathie sind viele periphere Nerven geschädigt, meist zuerst die längsten: Zehen, Füße, Unterschenkel, später Hände ("strumpf- und handschuhförmig"). Häufigste Ursachen sind Diabetes, Alkohol, Chemotherapie und Vitamin-B12-Mangel, oft bleibt die Ursache unklar. Betroffene spüren den Boden nicht mehr richtig, stolpern, gehen breitbeinig und unsicher, besonders im Dunkeln. Dazu kommen Schmerzen, Muskelschwäche (Fußheber) und Wunden, die unbemerkt bleiben. Die Ursache behandelt der Arzt, das Gehen und Stehen trainieren wir.
Behandlung: das Gehirn lernt, ohne Gefühl zu balancieren
Gleichgewicht
Stand und Gang auf verschiedenen Untergründen, mit und ohne Sicht, mit Kopfdrehungen und Doppelaufgaben. Das Gleichgewichtssystem nutzt dann Augen und Innenohr stärker. Unsere Gleichgewichtsübungen sind das Heimprogramm dazu.
Kraft und Fußheber
Fuß- und Wadenmuskulatur, Oberschenkel und Hüfte kräftigen, damit ein Stolperer abgefangen wird. Bei Fußheberschwäche prüfen wir eine leichte Orthese, die den Fuß beim Gehen anhebt und die Gangsicherheit sofort verbessert.
Wahrnehmung und Durchblutung
Fußsohlen mit Igelball, Bürste, warm-kalt stimulieren, Zehen bewegen, barfuß auf sicherem Untergrund. Bewegung fördert die Durchblutung der Nerven, Ausdauertraining bessert bei Diabetes zusätzlich die Blutzuckerwerte.
Schutz und Alltag
Tägliche Fußkontrolle mit Spiegel, passende Schuhe mit fester Sohle, keine Barfußwege draußen, Nachtlicht, Handläufe. Mit Ergotherapie und Podologie stimmen wir uns ab. Bei brennenden Schmerzen helfen Medikamente vom Neurologen und Elektrotherapie (TENS).
Verordnung und Verlauf
Der Hausarzt oder Neurologe verordnet Krankengymnastik, bei ausgeprägter Schwäche KG-ZNS. Polyneuropathie mit Gangstörung zählt zum langfristigen Heilmittelbedarf. Die Nervenschädigung lässt sich mit Training nicht rückgängig machen, aber Gangsicherheit, Kraft und Sturzrisiko verbessern sich innerhalb von 8 bis 12 Wochen messbar. Wichtig ist Kontinuität: Heimprogramm täglich, Praxis 1 x pro Woche, bei Bedarf als Hausbesuch.
Häufige Fragen
Kann Physiotherapie die Nerven reparieren?
Nein, die Ursache behandelt der Arzt (Blutzucker, Vitamin B12, Alkohol, Medikamente). Physiotherapie verbessert, was trainierbar ist: Gleichgewicht, Kraft, Gang, Durchblutung. Das reicht oft für deutlich mehr Sicherheit im Alltag.
Warum ist es im Dunkeln schlimmer?
Weil das Gleichgewicht ohne Fußgefühl vor allem auf die Augen angewiesen ist. Nachtlicht, Bewegungsmelder und Übungen mit geschlossenen Augen (mit Sicherung) helfen.
Welche Schuhe sind richtig?
Fest, mit steifer Sohle, gutem Halt an der Ferse, ohne Druckstellen, drinnen wie draußen. Weiche Hausschuhe und Barfußlaufen erhöhen das Sturz- und Verletzungsrisiko.
Hilft Elektrotherapie?
TENS kann brennende Schmerzen lindern, verbessert aber nicht das Gefühl. Wir setzen sie als Ergänzung ein, das Training bleibt der Kern.