Physiotherapie nach Schlaganfall
Das Gehirn lernt neu, wenn es oft und gezielt übt. Wie die Rehabilitation abläuft, was wir tun und was Sie und Ihre Angehörigen selbst beitragen können.
Was ein Schlaganfall mit Bewegung macht
Ein Schlaganfall unterbricht die Durchblutung eines Hirnareals, entweder durch ein verstopftes Gefäß (Hirninfarkt, etwa 85 Prozent) oder durch eine Blutung. Je nach Ort fallen Funktionen aus. Meist ist eine Körperseite gelähmt oder geschwächt (Hemiparese), dazu kommen Gleichgewichtsstörungen und ein veränderter Muskeltonus, erst schlaff, später oft spastisch. Häufig sind auch Gefühlsstörungen, Sprach- oder Schluckprobleme und der sogenannte Neglect, bei dem die betroffene Seite nicht mehr wahrgenommen wird.
Die gute Nachricht: Das Gehirn kann sich umbauen. Nachbarregionen übernehmen Aufgaben, Verbindungen werden neu verknüpft. Diese Neuroplastizität ist der Grund, warum Physiotherapie wirkt, und sie folgt einer einfachen Regel: Was oft und gezielt geübt wird, wird wieder möglich. Was nicht geübt wird, geht verloren.
Der Weg zurück: Phasen der Rehabilitation
Früh mobilisieren
Schon in den ersten Tagen beginnt die Physiotherapie im Bett: Lagerung, die Spastik vorbeugt, erste aktive Bewegungen, Sitzen an der Bettkante, Transfers. Ziel ist, Komplikationen (Thrombose, Lungenentzündung, Schulterprobleme) zu vermeiden und das Gehirn früh mit Bewegungsreizen zu versorgen.
Intensiv üben
Mehrere Stunden Therapie täglich: Gehen mit und ohne Hilfsmittel, Gleichgewicht, Arm- und Handfunktion, Treppen, Selbstversorgung. Hier wird der größte Teil der Erholung erreicht, deshalb lohnt sich jede Stunde. Angehörige lernen, wie sie unterstützen ohne zu übernehmen.
Alltag zurückerobern
Das ist unser Teil. Auf Verordnung KG-ZNS behandeln wir 2 bis 3 x pro Woche: Gangschulung draußen, Treppe, Aufstehen vom Boden, Arm im Alltag einsetzen (Tasse, Jacke, Schlüssel), Sturzprophylaxe. Wer nicht in die Praxis kommen kann, bekommt uns als Hausbesuch, dort üben wir in Ihrer echten Umgebung.
Dranbleiben
Die Erholung wird langsamer, hört aber nicht auf. Mit langfristigem Heilmittelbedarf ist Physiotherapie dauerhaft möglich. Dazu Heimprogramm, Rehasport oder Schlaganfall-Sportgruppe, Bewegung im Alltag. Rückschritte durch Inaktivität sind vermeidbar.
Wie wir behandeln
Methoden
- Bobath-Konzept: normale Bewegungsabläufe anbahnen, Tonus regulieren, betroffene Seite einbeziehen
- Aufgabenorientiertes Training: nicht "Arm heben", sondern "Glas zum Mund führen", hundertfach wiederholt
- Gangschulung: Laufband, Gehstrecken, Treppen, Hindernisse, Doppelaufgaben (gehen und sprechen)
- Gleichgewicht und Sturzprophylaxe: Standtraining, Gewichtsverlagerung, Aufstehen vom Boden
- Spastikmanagement: Dehnung, Lagerung, Schienen, Abstimmung mit Neurologe (Botulinumtoxin)
- Schulterschutz: Lagerung, Tape, Anleitung für Angehörige, damit die gelähmte Schulter nicht schmerzt
Was Sie selbst tun können
- Die betroffene Seite bewusst nutzen: mit der schwachen Hand die Tür öffnen, den Löffel halten
- Täglich üben, lieber 3 x 10 Minuten als 1 x 30, mit dem Heimprogramm aus der Therapie
- Aufrecht sitzen statt liegen, so oft es geht, auch beim Fernsehen
- Blutdruck, Blutzucker, Cholesterin im Griff halten, nicht rauchen: das schützt vor dem zweiten Schlaganfall
- Fortschritte notieren: Gehstrecke, Zeit für Aufstehen, was mit der Hand wieder klappt
- Angehörige einbinden, aber nicht abnehmen lassen, was Sie selbst schaffen
Rezept, Kosten, Hausbesuch
Nach einem Schlaganfall verordnet der Hausarzt oder Neurologe KG-ZNS (Krankengymnastik bei Erkrankungen des zentralen Nervensystems), meist 10 Einheiten pro Rezept, 2 bis 3 x pro Woche. Ein Schlaganfall gehört zu den Diagnosen mit langfristigem Heilmittelbedarf: Die Verordnung ist dauerhaft möglich und belastet das Budget des Arztes nicht. Wenn der Weg in die Praxis nicht möglich ist, kreuzt der Arzt "Hausbesuch" an, und wir kommen zu Ihnen, in Brühl und nach Absprache in Hürth, Wesseling und Erftstadt. Die Zuzahlung beträgt 10 Euro je Verordnung plus 10 Prozent der Kosten, eine Befreiung ist bei chronischer Erkrankung ab 1 Prozent des Bruttoeinkommens möglich.
Für Angehörige
Sie sind Teil der Therapie. Wir zeigen Ihnen, wie Sie beim Transfer helfen, ohne sich selbst den Rücken zu verletzen, wie Sie die gelähmte Schulter beim Anziehen schützen und welche Übungen zwischen den Terminen sinnvoll sind. Genauso wichtig: Pausen für Sie selbst. Pflegekurse der Krankenkassen, Selbsthilfegruppen der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe und der Pflegestützpunkt des Rhein-Erft-Kreises unterstützen Sie. Sprechen Sie uns an, wir vermitteln gern.
Häufige Fragen
Wie lange dauert die Erholung nach einem Schlaganfall?
Die größten Fortschritte kommen in den ersten 3 bis 6 Monaten, danach langsamer, aber über Jahre. Wie weit die Erholung geht, hängt von Ort und Größe des Schlaganfalls, dem Alter und vor allem von der Intensität des Trainings ab.
Kommt die Physiotherapie nach Hause?
Ja, wenn der Arzt "Hausbesuch" auf der Verordnung ankreuzt, weil der Weg in die Praxis aus medizinischen Gründen nicht möglich ist. Wir üben dann in Ihrer Wohnung, was dort täglich gebraucht wird: Bett, Bad, Treppe, Küche.
Wie oft brauche ich Physiotherapie nach Schlaganfall?
In den ersten Monaten 2 bis 3 x pro Woche, später 1 bis 2 x, dauerhaft über den langfristigen Heilmittelbedarf. Entscheidend ist, dass Sie zwischen den Terminen täglich selbst üben.
Was hilft gegen die Spastik im Arm?
Regelmäßige Dehnung, richtige Lagerung, aktives Üben der Gegenspieler und Alltagsgebrauch der Hand. Reicht das nicht, kann der Neurologe Botulinumtoxin spritzen, danach ist Physiotherapie besonders wirksam, weil der Muskel für einige Wochen weicher ist.
Darf ich nach dem Schlaganfall Sport machen?
Ja, sobald der Arzt es freigibt. Gehen, Radfahren auf dem Ergometer, Schwimmen und Krafttraining senken das Risiko für einen zweiten Schlaganfall und verbessern Gehfähigkeit und Ausdauer. Rehasport auf Verordnung ist ein guter Einstieg.