Physiotherapie bei Parkinson

Parkinson macht Bewegung klein und zögerlich. Wir trainieren groß, rhythmisch und sicher, in der Praxis und zu Hause.

Kurz gesagt: Bei Parkinson wird Bewegung klein, langsam und zögerlich. Physiotherapie trainiert gezielt das Gegenteil: große Bewegungen, Rhythmus, Gleichgewicht. Wer früh anfängt und dranbleibt, bleibt länger selbstständig. Die Kasse zahlt dauerhaft über den langfristigen Heilmittelbedarf.

Warum Bewegung bei Parkinson zur Therapie gehört

Beim Morbus Parkinson sterben Nervenzellen ab, die Dopamin produzieren, den Botenstoff, der Bewegungen startet und dosiert. Die Folgen: Steifigkeit (Rigor), Zittern in Ruhe (Tremor), verlangsamte und verkleinerte Bewegungen (Bradykinese) und mit der Zeit Gleichgewichtsprobleme. Schritte werden kürzer, die Schrift kleiner, die Stimme leiser, die Haltung gebeugt. Medikamente ersetzen das fehlende Dopamin, aber sie trainieren nicht. Studien zeigen: Regelmäßiges, intensives Training verbessert Gehen, Gleichgewicht und Alltagsfähigkeit und kann das Fortschreiten der Symptome verlangsamen.

Was wir bei Parkinson tun

Groß und laut: Amplitudentraining

Parkinson lässt Bewegungen schrumpfen, ohne dass Betroffene es merken. Nach dem Prinzip von LSVT BIG üben wir bewusst übergroße Bewegungen: weite Schritte, ausladende Armbewegungen, tiefes Aufstehen. Was sich übertrieben anfühlt, ist von außen normal groß. 4 x pro Woche über 4 Wochen, dann als Heimprogramm.

Cueing: Rhythmus gegen das Einfrieren

Beim Freezing bleiben die Füße plötzlich am Boden kleben, oft in Türen oder beim Umdrehen. Äußere Signale helfen dem Gehirn über die Blockade: ein Metronom oder Zählen (akustisch), Linien auf dem Boden oder ein Laserpointer am Stock (visuell), Gewichtsverlagerung vor dem ersten Schritt. Wir finden heraus, welcher Reiz bei Ihnen funktioniert.

Gleichgewicht und Sturzprophylaxe

Stürze sind bei Parkinson häufig, meist nach hinten oder beim Drehen. Wir üben Drehungen in großen Bögen, das Aufstehen vom Boden, Schutzschritte und Doppelaufgaben. Dazu Wohnungs-Check und Hilfsmittel.

Haltung, Beweglichkeit, Ausdauer

Gegen die gebeugte Haltung: Brustwirbelsäule mobilisieren, Rückenstrecker kräftigen, Brustmuskeln dehnen. Dazu Ausdauer auf dem Ergometer oder beim Nordic Walking, 3 x 30 Minuten pro Woche, weil Ausdauertraining nachweislich auch die Symptome bessert.

Timing mit den Medikamenten

Parkinson-Medikamente wirken in Phasen. In der On-Phase, meist 1 Stunde nach der Einnahme, ist Bewegung am leichtesten, dann üben wir Kraft, Tempo und Gleichgewicht. In der Off-Phase trainieren wir bewusst Strategien, die dann gebraucht werden: Cueing, Aufstehen, Drehen im Bett. Sagen Sie uns Ihre Einnahmezeiten, wir legen die Termine danach. Und: Melden Sie dem Neurologen, wenn die Off-Phasen länger werden, oft hilft eine Anpassung der Dosis.

Für zu Hause

  • Täglich 10 Minuten "groß": 10 x aufstehen ohne Hände, 10 weite Schritte hin und zurück, Arme kreisen, laut zählen
  • Beim Gehen an die Fersen denken und den Blick nach vorn, nicht auf die Füße
  • Enge Stellen und Drehungen mit Kommando ("und eins, und zwei") oder Musik im Ohr
  • Stuhl mit Armlehnen, Bett mit Aufstehhilfe, keine losen Teppiche
  • Parkinson-Sportgruppe, Tischtennis, Tanzen oder Boxen: alles, was Spaß macht und Reaktion fordert

Rezept und Hausbesuch

Der Neurologe oder Hausarzt verordnet KG-ZNS, meist 10 Einheiten, 1 bis 2 x pro Woche. Parkinson steht auf der Liste des langfristigen Heilmittelbedarfs, die Verordnung ist also dauerhaft und ohne Budgetgrenze möglich. In fortgeschrittenen Stadien kommen wir als Hausbesuch und üben Transfers, Drehen im Bett und die Wege in der Wohnung dort, wo sie gebraucht werden.

Häufige Fragen

Wann sollte ich mit Physiotherapie beginnen?

Direkt nach der Diagnose. Je früher das Gehirn große, schnelle Bewegungen übt, desto länger bleiben sie erhalten. Warten, bis Probleme auftreten, verschenkt die beste Trainingsphase.

Was hilft gegen das Einfrieren beim Gehen?

Cueing: ein äußerer Takt (Zählen, Metronom, Musik), visuelle Marken auf dem Boden oder ein Laserpointer am Stock. Vor dem Losgehen das Gewicht bewusst auf ein Bein verlagern und einen großen Schritt machen. Was bei Ihnen wirkt, finden wir gemeinsam heraus.

Wie oft muss ich üben?

Täglich. Ein Heimprogramm von 10 bis 15 Minuten plus 3 x pro Woche Ausdauer. Die Therapie bei uns steuert und steigert das Programm, ersetzt aber nicht das tägliche Üben.

Kann Physiotherapie das Zittern beseitigen?

Nein, der Ruhetremor spricht auf Training kaum an, dafür auf Medikamente. Physiotherapie wirkt auf Gehen, Gleichgewicht, Haltung, Beweglichkeit und Alltagsfähigkeit, und das deutlich.

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