Seitlicher Hüftschmerz: Physiotherapie statt Spritze
Beim Liegen auf der Seite, beim Treppensteigen, nach langem Sitzen: meist die Gesäßsehnen am Rollhügel. Entlasten und kräftigen, 12 Wochen.
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Was am Trochanter schmerzt
Am großen Rollhügel des Oberschenkelknochens setzen die seitlichen Gesäßmuskeln (Gluteus medius und minimus) an, die das Becken beim Gehen waagerecht halten. Werden sie schwach oder überlastet, reagiert die Sehne mit Umbau und Schmerz, der Schleimbeutel ist meist nur Nebendarsteller. Deshalb heißt das Bild heute Trochanter-Schmerzsyndrom (GTPS). Betroffen sind vor allem Frauen zwischen 40 und 60, Läufer nach Umfangssteigerung und Menschen, die viel mit übereinandergeschlagenen Beinen sitzen oder auf der Seite liegen. Typisch: Druckschmerz seitlich an der Hüfte, Schmerz beim Liegen auf der betroffenen Seite, beim Aufstehen nach dem Sitzen, beim Treppensteigen und Einbeinstand. Anders als bei Hüftarthrose ist die Beweglichkeit frei und die Leiste schmerzfrei.
Sehne belasten, Schleimbeutel entlasten
Sehne entlasten
Kein Beineübereinanderschlagen, kein Sitzen mit Knien zusammen, keine Hüfte in die Seite gedrückt beim Stehen, nachts Kissen zwischen den Knien und nicht auf der schmerzenden Seite liegen. Dehnen des Tractus und "Hüfte über die Kante hängen lassen" vermeiden, das komprimiert die Sehne.
Gesäß kräftigen (12 Wochen)
Isometrisches Abspreizen gegen die Wand zum Start, dann Brücke, Muschel, seitliches Beinheben, Einbeinstand mit waagerechtem Becken, Step-ups, seitliche Ausfallschritte. Langsam, schwer, 3 x pro Woche. Unsere Hüftübungen enthalten die Reihe. Studien zeigen: Training plus Aufklärung schlägt Kortison nach 12 Monaten deutlich.
Ganzkörper
Rumpfstabilität, Fuß- und Kniekontrolle, bei Läufern Schrittfrequenz erhöhen und Laufumfang temporär reduzieren. Gewicht reduzieren, wenn möglich. Manuelle Therapie für Hüfte und Lendenwirbelsäule, wenn sie mitbeteiligt sind.
Ärztlich
Bei starkem Schmerz einmalig Kortison, um das Training zu ermöglichen. Stoßwellentherapie bei hartnäckigen Verläufen. Eine OP (Sehnennaht, Schleimbeutelentfernung) ist die seltene Ausnahme nach mindestens 6 bis 12 Monaten konsequenter Therapie.
Rechnen Sie mit 3 bis 6 Monaten bis zur Beschwerdefreiheit, die morgendliche Steifigkeit und der Seitenliegeschmerz gehen als letztes. Der Arzt verordnet Krankengymnastik oder Manuelle Therapie. Abgrenzung zu anderen Hüftbeschwerden: Hüftschmerzen, Hüftimpingement und Arthrose.
Häufige Fragen
Schleimbeutelentzündung oder Sehne?
Meist die Sehne der seitlichen Gesäßmuskeln, der Schleimbeutel ist selten allein entzündet. Für die Behandlung ist das entscheidend: Sehnen brauchen Belastung, keine Schonung.
Wie schlafe ich mit seitlichem Hüftschmerz?
Auf der gesunden Seite mit Kissen zwischen den Knien, damit das obere Bein nicht nach unten fällt und die Sehne komprimiert. Auf dem Rücken mit Kissen unter den Knien geht auch. Eine weiche Matratzenauflage entlastet zusätzlich.
Soll ich den Tractus dehnen oder rollen?
Nein. Dehnung des Tractus und Übungen, bei denen die Hüfte nach innen fällt, drücken die Sehne gegen den Knochen und verschlimmern oft. Kräftigung in neutraler Beinachse hilft.
Wie lange dauert es?
Mit konsequentem Training 3 bis 6 Monate, erste Besserung nach 4 bis 6 Wochen. Wer nur spritzt und weitermacht wie bisher, hat den Schmerz meist nach einigen Monaten wieder.