Arthrose: Bewegung ist die Therapie

Knorpel wächst nicht nach, aber Schmerz und Funktion sind trainierbar. Was die Leitlinien empfehlen und wie wir es umsetzen.

Arthrose: Bewegung ist die Therapie

Arthrose ist die häufigste Gelenkerkrankung überhaupt: Der Knorpel wird dünner, das Gelenk versteift, die umgebende Muskulatur baut ab, der Schmerz nimmt zu, man bewegt sich weniger, der Abbau beschleunigt sich. Diesen Kreislauf zu durchbrechen ist die Aufgabe der Physiotherapie. Die Leitlinien aller Fachgesellschaften sind sich einig: Training und Aufklärung sind die Basistherapie, vor Spritzen, Medikamenten und Operation. In unserer Praxis in Brühl behandeln wir Arthrose an Knie, Hüfte, Schulter, Hand und Wirbelsäule.

Was Physiotherapie bei Arthrose leistet

  • Kräftigung der gelenkführenden Muskulatur: weniger Belastung auf dem Knorpel
  • Erhalt und Verbesserung der Beweglichkeit durch Manuelle Therapie
  • Schmerzlinderung durch Wärme, Elektrotherapie, Mobilisation
  • Gangbild und Gleichgewicht: weniger Ausweichbewegungen, weniger Stürze
  • Belastungssteuerung: was, wie viel, wie oft
  • Hilfsmittel: Gehstock, Einlagen, Bandagen richtig nutzen
  • Vorbereitung auf und Nachbehandlung nach Gelenkersatz

Die Stufen der Arthrosetherapie

  1. Basis: Aufklärung, Training, Gewichtsmanagement. Für jeden Patienten, in jedem Stadium.
  2. Ergänzend: Physiotherapie, Schmerzmittel bei Bedarf, Hilfsmittel, Wärme oder Kälte.
  3. Erweitert: Injektionen (Kortison, Hyaluron) bei Schüben, mit begrenzter Wirkdauer.
  4. Operativ: Gelenkersatz, wenn die Stufen 1 bis 3 nicht mehr ausreichen. Danach wieder Stufe 1.

Arthrose nach Gelenk

Knie (Gonarthrose)

Häufigste Form. Training des Oberschenkels, Radfahren, Gewichtsreduktion. Unsere Knieübungen sind das Grundprogramm. Bei starker Achsfehlstellung: Einlagen, Orthesen. Mehr zu Knie und Hüfte

Hüfte (Coxarthrose)

Leistenschmerz, eingeschränkte Innenrotation, Anlaufschmerz. Kräftigung der Abduktoren, Mobilisation, Gehstock auf der Gegenseite. Hüftübungen

Schulter (Omarthrose)

Bewegungseinschränkung, nächtlicher Schmerz. Manuelle Therapie, Zentrierung, Kräftigung der Rotatorenmanschette. Mehr zur Schulter

Hand und Finger

Heberden-, Bouchard-, Rhizarthrose. Gelenkschutz, Beweglichkeit, Kräftigung, Wärme (Paraffin), Schienen beim Daumen. Mehr zu Hand und Ellenbogen

Wirbelsäule (Spondylarthrose)

Facettengelenke, Morgensteifigkeit, Schmerz bei Rückbeuge. Mobilisation, Rumpfstabilisation, Haltung. Mehr zu Rückenschmerzen

Sprunggelenk und Fuß

Oft nach Verletzung. Beweglichkeit, Wadenkraft, Abrollhilfen, Schuhzurichtung. Mehr zu Fuß und Sprunggelenk

Der Alltag mit Arthrose

  • Bewegen ohne Stoß: Radfahren, Schwimmen, Aquajogging, Walking, Skilanglauf. Täglich 30 Minuten sind besser als einmal pro Woche zwei Stunden.
  • Krafttraining 2 bis 3 x pro Woche: Muskeln sind die Stoßdämpfer des Gelenks.
  • Gewicht: 5 Prozent weniger Körpergewicht reduziert Knieschmerzen messbar.
  • Wärme bei Steifigkeit, Kälte bei Schwellung: siehe Wärme oder Kälte?
  • Schmerzregel: Schmerz während des Trainings bis 5 von 10 ist erlaubt, wenn er innerhalb von 24 Stunden wieder auf das Ausgangsniveau zurückgeht.

Häufige Fragen

Kann Physiotherapie Arthrose heilen?

Nein, verlorener Knorpel wächst nicht nach. Aber Schmerz und Funktion hängen weniger vom Röntgenbild ab als von Muskulatur, Beweglichkeit und Belastungssteuerung. Genau das verbessert Physiotherapie, mit Effekten, die in Studien so groß sind wie die von Schmerzmitteln, aber ohne deren Nebenwirkungen.

Schont Bewegung den Knorpel oder schadet sie?

Knorpel hat keine Blutgefäße und wird nur durch Be- und Entlastung ernährt. Bewegung ohne Stoßbelastung (Radfahren, Schwimmen, Gehen, Krafttraining) erhält ihn. Schonung lässt Muskeln und Knorpel abbauen. Nur akute Entzündungsschübe brauchen kurzfristig Ruhe.

Wann ist ein Gelenkersatz sinnvoll?

Wenn trotz 3 bis 6 Monaten konsequenter konservativer Therapie (Training, Gewichtsreduktion, Schmerzmittel) die Lebensqualität stark eingeschränkt bleibt: Nachtschmerz, Gehstrecke unter 500 Meter, Alltag nicht mehr bewältigbar. Die Entscheidung trifft der Patient mit dem Operateur, nicht das Röntgenbild.

Helfen Nahrungsergänzungsmittel?

Glucosamin, Chondroitin und Kollagen zeigen in Studien keine oder nur minimale Effekte. Wirksam sind dagegen Gewichtsreduktion (jedes Kilo weniger entlastet das Knie um 3 bis 4 Kilo pro Schritt), Bewegung und eine mediterrane Ernährung gegen Entzündung.

Was ist eine aktivierte Arthrose?

Ein akuter Entzündungsschub im arthrotischen Gelenk: Schwellung, Überwärmung, Ruheschmerz. Dann kurzfristig kühlen, entlasten, ärztlich behandeln lassen, danach zurück zum Training.

Anrufen Termin anfragen