Schulterluxation: Physiotherapie nach dem Auskugeln
Jung und sportlich: hohes Rückfallrisiko, oft OP. Älter: Muskeln stabilisieren. Wie die Schulter in beiden Fällen wieder sicher wird.
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Was bei der Luxation kaputtgeht
Bei der Schulterluxation springt der Oberarmkopf aus der Pfanne, in über 90 Prozent nach vorn unten, meist beim Sturz auf den ausgestreckten Arm oder beim Sport. Dabei reißt fast immer die Gelenklippe vom Pfannenrand ab (Bankart-Läsion), oft entsteht eine Delle im Oberarmkopf (Hill-Sachs), bei Älteren reißt häufiger die Rotatorenmanschette. Die Schulter muss ärztlich eingerenkt und geröntgt werden, ein MRT klärt die Begleitschäden. Entscheidend für das weitere Vorgehen: Alter, Sportart, Zahl der Luxationen und die Größe der Knochenschäden. Unter 25 mit Kontakt- oder Überkopfsport liegt das Risiko einer erneuten Luxation ohne OP bei 60 bis 90 Prozent.
Konservativ: Stabilität durch Muskeln
Schonen, aber bewegen
Schlinge für 1 bis 3 Wochen, Ellenbogen und Hand täglich bewegen, Pendeln, isometrische Anspannung. Keine Außenrotation über 0 Grad und kein Abspreizen über 90 Grad, das ist die Luxationsrichtung.
Beweglichkeit und Zentrierung
Aktiv-assistive Bewegung, Schulterblattkontrolle, Rotatorenmanschette in Neutralstellung mit Band, Manuelle Therapie für Brustwirbelsäule und Schulterblatt. Beweglichkeit stufenweise erweitern.
Kraft und Kontrolle
Außen- und Innenrotation in 45 und 90 Grad Abspreizung, Rudern, Stützübungen (Wand, Vierfüßler), Wahrnehmung der Gelenkstellung (Ball an der Wand, Rhythmic Stabilization). Ziel: Kraft über 90 Prozent im Seitenvergleich.
Sport
Wurf- und Stützbelastung stufenweise, Kontaktsport nach 3 bis 4 Monaten mit Kraft und Stabilität im Test. Bei erneuter Luxation oder anhaltendem Instabilitätsgefühl: Vorstellung beim Schulterchirurgen.
Nach der Stabilisierungs-OP
Bei jungen Sportlern, wiederholten Luxationen oder größeren Knochenschäden wird die Gelenklippe arthroskopisch wieder angenäht (Bankart-Repair) oder bei Knochenverlust ein Knochenblock versetzt (Latarjet). Danach: 3 bis 6 Wochen Schlinge, in den ersten 6 Wochen keine Außenrotation über 0 bis 20 Grad, Kräftigung ab Woche 6 bis 8, Kontaktsport nach 4 bis 6 Monaten. Die Nachbehandlung folgt dem Schema des Operateurs, den Ablauf im Detail beschreiben wir unter Physiotherapie nach Schulter-OP. Verordnung: Krankengymnastik und Manuelle Therapie, nach Unfällen im Verein über die Sportversicherung, bei Arbeits- und Wegeunfällen über die Berufsgenossenschaft.
Häufige Fragen
Wie hoch ist das Risiko einer erneuten Luxation?
Stark altersabhängig: unter 25 Jahren 60 bis 90 Prozent ohne OP, zwischen 25 und 40 etwa 30 bis 50 Prozent, über 40 unter 20 Prozent. Kontaktsport und Überkopfsport erhöhen das Risiko zusätzlich.
Kann ich die Schulter selbst einrenken?
Nein, das gehört in ärztliche Hand mit Röntgen davor und danach. Selbstversuche können Nerven, Gefäße und Knochen verletzen. Bis dahin Arm ruhig halten und kühlen.
Wie lange muss ich die Schlinge tragen?
Konservativ 1 bis 3 Wochen, nach OP 3 bis 6 Wochen. Länger als nötig macht die Schulter steif und schwach. Ellenbogen und Hand werden vom ersten Tag an bewegt.
Welche Übungen darf ich am Anfang nicht machen?
Alles, was den Arm nach außen dreht und abspreizt (Position wie beim Werfen), Stützen mit dem Arm nach hinten, Bankdrücken mit tiefem Absenken. Diese Positionen kommen erst zurück, wenn Kraft und Kontrolle da sind.