Fibromyalgie: Physiotherapie mit dosiertem Training

Keine Entzündung, keine Einbildung: ein überempfindliches Schmerzsystem. Warum dosierte Bewegung die wirksamste Therapie ist und wie der Einstieg gelingt.

Auf dieser Seite
  1. Was Fibromyalgie ist
  2. Wie Training bei Fibromyalgie funktioniert
  3. Niedrig starten, dranbleiben
  4. Häufige Fragen
Kurz gesagt: Fibromyalgie ist eine Störung der Schmerzverarbeitung, keine Entzündung und keine Einbildung. Die wirksamste Behandlung ist dosiertes Ausdauer- und Krafttraining, kombiniert mit Schmerzverständnis, Schlaf und Stressregulation. Passive Anwendungen lindern kurz, Bewegung verändert das System. Der Einstieg ist niedrig, die Steigerung langsam.

Was Fibromyalgie ist

Chronische Schmerzen in mehreren Körperregionen über mindestens 3 Monate, dazu Erschöpfung, nicht erholsamer Schlaf, Konzentrationsstörungen, oft Reizdarm, Kopfschmerzen und Stimmungstiefs. Betroffen sind überwiegend Frauen zwischen 40 und 60. Im Blut und in der Bildgebung ist nichts zu finden, weil das Problem im Nervensystem liegt: Schmerzsignale werden verstärkt, Schmerzhemmung ist geschwächt, das System steht auf Alarm (zentrale Sensibilisierung). Die Diagnose stellt der Rheumatologe oder Schmerztherapeut nach Ausschluss anderer Ursachen. Die Leitlinie empfiehlt als Basis: Aufklärung, aerobes Training, Kraft- und Bewegungstherapie, bei Bedarf Psychotherapie und in Ausnahmen Medikamente.

Wie Training bei Fibromyalgie funktioniert

Niedrig starten

Die Grundlinie ist, was an einem schlechten Tag ohne Aufflammen geht, etwa 10 Minuten Gehen oder 5 Minuten Ergometer. Von dort steigern wir um 10 Prozent pro Woche, nach Plan, nicht nach Tagesform. Rückschläge sind eingeplant, kein Grund aufzuhören.

Ausdauer und Kraft

Aerobes Training 2 bis 3 x pro Woche (Gehen, Radfahren, Wasser, Tanzen) verbessert Schmerz, Schlaf und Stimmung am zuverlässigsten. Krafttraining mit leichten Widerständen 2 x pro Woche steigert Belastbarkeit ohne Muskelkater-Krisen. Wärme davor macht den Einstieg leichter.

Schmerz verstehen

Wer weiß, dass Schmerz bei Fibromyalgie kein Gewebeschaden ist, kann trotz Schmerz sicher trainieren. Schmerzedukation, Pacing, Schlafhygiene und Entspannung (Atmung, progressive Muskelentspannung) sind Teil jeder Einheit.

Was wir bewusst weglassen

Intensive Massagen und Manipulationen, die das Alarmsystem reizen, Dehnen bis in den Schmerz, Ruhe als Therapie. Sanfte manuelle Techniken zur Beruhigung setzen wir gezielt und kurz ein.

Der Hausarzt oder Rheumatologe verordnet Krankengymnastik, bei Fibromyalgie besteht nach dem Heilmittelkatalog ein besonderer Verordnungsbedarf mit erweiterter Menge, Funktionstraining in der Gruppe (Rehasport, Wassergymnastik) wird zusätzlich bezahlt. Nach 3 Monaten konsequenten Trainings berichten die meisten über weniger Schmerz, besseren Schlaf und mehr Alltagsfähigkeit, auch wenn die Diagnose bleibt. Grundlagen unter chronische Schmerzen, ein Werkzeug zum Dranbleiben ist unser Schmerztagebuch.

Häufige Fragen

Verschlimmert Sport die Fibromyalgie?

Zu viel auf einmal ja, dosiert nein. Der Einstieg muss unter der Reizschwelle liegen, dann verbessert Training Schmerz, Schlaf und Erschöpfung nachweislich. Wir finden mit Ihnen die richtige Dosis.

Hilft Wärme oder Massage?

Wärme ja, als Vorbereitung auf Bewegung und zur Entspannung. Massage nur sanft und kurz, kräftige Techniken können das Schmerzsystem reizen. Beides ersetzt kein Training.

Wie lange dauert es, bis Training wirkt?

Erste Effekte auf Schlaf und Stimmung nach 4 bis 6 Wochen, auf Schmerz und Belastbarkeit nach 3 Monaten. Training bei Fibromyalgie ist eine Dauertherapie, keine Kur.

Zahlt die Kasse Physiotherapie bei Fibromyalgie?

Ja, auf Verordnung des Arztes, mit besonderem Verordnungsbedarf und erweiterter Menge. Zusätzlich Funktionstraining in der Gruppe und multimodale Schmerztherapie in spezialisierten Zentren.

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