Tennisarm: Physiotherapie und Übungen
Keine Entzündung, sondern eine überlastete Sehne. Warum Training hilft, Schonung nicht, und welche drei Übungen den Unterschied machen.
Was am Ellenbogen passiert
Beim Tennisarm (Epicondylitis lateralis) ist der Sehnenansatz der Unterarmstrecker am äußeren Ellenbogen überlastet, meist durch tausendfache Griff- und Drehbewegungen: Maus und Tastatur, Schraubendreher, Gartenschere, Rückhand. Nur jeder zehnte Betroffene spielt Tennis. Die Sehne reagiert nicht mit Entzündung, sondern mit Umbau: unordentliche Fasern, einwachsende Gefäße und Nerven, weniger Belastbarkeit. Deshalb hilft Ruhigstellen nur kurz und Entzündungshemmer wenig. Typisch: Schmerz beim Händeschütteln, Kaffeetasse heben, Tür aufschließen, Druckschmerz am Knochenvorsprung außen.
Was in der Physiotherapie hilft
Exzentrisches Training
Die Sehne braucht Belastung, um sich zu reorganisieren: Handgelenk mit Gewicht (0,5 bis 2 kg) langsam absenken, mit der anderen Hand wieder anheben. 3 x 15 Wiederholungen, täglich, 8 bis 12 Wochen. Ein leichtes Ziehen bis 4 von 10 ist erlaubt und erwünscht. Das ist die am besten belegte Maßnahme.
Manuelle Therapie
Mobilisation des Ellenbogens (Mill-Manipulation, Mobilisation mit Bewegung), Behandlung der Halswirbelsäule, wenn sie mitbeteiligt ist, Querfriktion und Weichteiltechniken am Unterarm. Bringt schnell Beweglichkeit und Schmerzlinderung, ersetzt aber das Training nicht.
Belastung anpassen, nicht vermeiden
Vertikale Maus, Tastatur flach, Griffe verdicken, Gewichte mit der Handfläche nach oben tragen, Pausen mit Dehnung. Eine Epicondylitis-Spange entlastet beim Arbeiten, sollte aber nicht dauerhaft getragen werden.
Ergänzend
Stoßwellentherapie bei hartnäckigen Verläufen, Kräftigung von Schulter und Rumpf (schwache Schulterstabilisatoren belasten den Unterarm mit), Ultraschall und Elektrotherapie zur Schmerzlinderung. Kortisonspritzen: kurzfristig wirksam, nach 6 bis 12 Monaten schlechter als abwarten oder trainieren.
Die drei wichtigsten Übungen
- Exzentrische Handgelenkstreckung: Unterarm auf dem Tisch, Handfläche nach unten, Hand über der Kante mit Gewicht. Hand mit Hilfe der anderen Hand anheben, dann allein in 3 bis 4 Sekunden absenken. 3 x 15, täglich.
- Dehnung der Unterarmstrecker: Arm gestreckt vor dem Körper, Handfläche nach unten, mit der anderen Hand die Finger Richtung Boden ziehen, bis es außen am Unterarm zieht. 30 Sekunden, 3 x, mehrmals täglich.
- Handtuch wringen: Handtuch mit beiden Händen in beide Richtungen wringen, langsam, 10 x je Richtung. Trainiert die Drehung, die im Alltag am häufigsten schmerzt.
Wie lange? Rechnen Sie mit 3 Monaten konsequentem Üben. Die meisten Tennisarme heilen innerhalb eines Jahres auch ohne Behandlung, mit Training deutlich schneller und mit weniger Rückfällen.
Wann zum Arzt
Bei Taubheit oder Kribbeln in Ringfinger und kleinem Finger (Nervenengpass am Ellenbogen), bei Schwellung, Rötung oder Überwärmung, nach einem Sturz auf den Arm und wenn nach 3 Monaten Training keine Besserung eintritt. Dann prüft der Orthopäde per Ultraschall oder MRT, ob etwas anderes dahintersteckt. Für die Physiotherapie verordnet der Arzt meist Krankengymnastik oder Manuelle Therapie, 6 Einheiten, oft mit Ultraschall als Ergänzung.
Häufige Fragen
Tennisarm oder Golferarm?
Tennisarm: Schmerz außen am Ellenbogen, beim Strecken von Hand und Fingern gegen Widerstand. Golferarm: innen, beim Beugen. Beide werden gleich behandelt, nur die Übungsrichtung ändert sich.
Hilft eine Bandage?
Eine Epicondylitis-Spange unterhalb des Ellenbogens verteilt den Zug der Sehne und macht Arbeiten erträglicher. Sie ist eine Krücke für belastende Tätigkeiten, nicht die Therapie. Nachts und in Ruhe weglassen.
Wie lange dauert ein Tennisarm?
Unbehandelt 6 bis 24 Monate. Mit exzentrischem Training und Anpassung der Belastung meist 3 bis 4 Monate bis zur Beschwerdefreiheit im Alltag. Rückfälle sind häufig, wenn das Training zu früh endet.
Darf ich mit Tennisarm weiter arbeiten und Sport machen?
Ja, mit angepasster Technik und Pausen. Vollständige Schonung verlängert die Heilung. Wir zeigen Ihnen, wie Sie greifen, tragen und trainieren, ohne die Sehne zu überlasten.