Schienbeinkantensyndrom: Physiotherapie für Läufer

Zu schnell zu viel gelaufen: Wie das Schienbein zur Ruhe kommt, welche Muskeln fehlen und wie der Wiedereinstieg ohne Rückfall gelingt.

Auf dieser Seite
  1. Was am Schienbein passiert
  2. Zurück ins Lauftraining: so bauen Sie wieder auf
  3. Schienbein beruhigen, Wade kräftigen
  4. Häufige Fragen
Kurz gesagt: Schmerz an der Innenkante des Schienbeins beim Laufen ist meist ein Schienbeinkantensyndrom (Shin Splints): eine Überlastung von Knochenhaut und Muskelansätzen, typisch nach schneller Steigerung des Laufumfangs. Umfang runter, Waden und Fuß kräftigen, Schritte verkürzen, dann schrittweise zurück. Ein punktueller Druckschmerz mit Schmerz auch in Ruhe kann ein Ermüdungsbruch sein und gehört zum Arzt.

Was am Schienbein passiert

Beim Laufen ziehen die tiefen Wadenmuskeln und der hintere Schienbeinmuskel an der Innenkante des Schienbeins. Bei zu schneller Steigerung, harten Böden, ausgetretenen Schuhen, Überpronation (Fuß knickt nach innen) und schwacher Hüft- und Fußmuskulatur wird die Knochenhaut gereizt und der Knochen selbst gerät unter Stress. Typisch: flächiger Schmerz über 5 bis 10 cm an der Innenkante des unteren Schienbeins, zu Beginn des Laufs, später auch danach. Warnzeichen für einen Ermüdungsbruch: punktgenauer Druckschmerz, Schmerz beim Hüpfen auf einem Bein, Schmerz in Ruhe und nachts, dann Bildgebung beim Arzt (Röntgen, MRT).

Zurück ins Lauftraining: so bauen Sie wieder auf

Woche 1 bis 2: Reiz raus

Laufpause oder Umfang halbieren, nur auf weichem Boden, kein Tempo, keine Berge. Radfahren, Schwimmen, Aquajogging halten die Ausdauer. Kühlung nach Belastung, Kompressionsstrümpfe bei Schwellungsneigung.

Ab Woche 1: Kräftigen

Wadenheben beidbeinig und einbeinig (3 x 15, langsam), Fußheber mit Band, hinterer Schienbeinmuskel (Fuß nach innen gegen Band), Kurzfuß und Zehengreifen, Hüftabduktoren und Gesäß. Täglich 10 Minuten, 6 bis 8 Wochen. Unsere Fußübungen sind die Basis.

Technik und Schuhe

Schrittfrequenz um 5 bis 10 Prozent erhöhen (kürzere Schritte, Fuß landet unter dem Körper), Laufschuhe mit ausreichender Dämpfung und passender Stütze, alle 800 bis 1000 km wechseln. Bei starker Überpronation Einlagen. Laufanalyse in der Praxis.

Ab Woche 3 bis 4: Wiedereinstieg

Lauf-Geh-Intervalle, Steigerung um 10 Prozent pro Woche, nur wenn am nächsten Tag kein Schmerz. Manuelle Therapie an Sprunggelenk und Wade, Weichteiltechniken für die tiefe Wade. Rückkehr zum vollen Umfang meist nach 4 bis 8 Wochen.

Für die Physiotherapie verordnet der Arzt Krankengymnastik, bei Vereinssportlern übernimmt oft die Sportversicherung. Verwandte Laufbeschwerden: Achillessehne, Läuferknie und Fersensporn.

Häufige Fragen

Wie lange dauert ein Schienbeinkantensyndrom?

Bei frühem Reagieren 2 bis 4 Wochen bis zum Wiedereinstieg, voller Umfang nach 4 bis 8 Wochen. Wer durchläuft, riskiert Monate oder einen Ermüdungsbruch mit 6 bis 12 Wochen Laufpause.

Darf ich mit Schienbeinschmerzen weiterlaufen?

Leicht und reduziert ja, wenn der Schmerz bis 3 von 10 bleibt und am nächsten Tag nicht schlimmer ist. Bei punktuellem Druckschmerz oder Schmerz in Ruhe Pause und Abklärung.

Helfen Einlagen oder Kompressionsstrümpfe?

Einlagen bei deutlicher Überpronation ja, Kompression kann Beschwerden lindern. Beides ersetzt nicht Kräftigung und Belastungssteuerung, die den Rückfall verhindern.

Wie unterscheide ich es vom Ermüdungsbruch?

Shin Splints: flächiger Schmerz über mehrere Zentimeter, besser nach Aufwärmen. Ermüdungsbruch: punktgenau, Schmerz beim einbeinigen Hüpfen, in Ruhe und nachts. Im Zweifel zum Arzt, das MRT klärt es.

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