Patellaluxation: Physiotherapie

Kniescheibe herausgesprungen: Nach der ersten Luxation zählen innerer Oberschenkelmuskel, Hüfte und Beinachse. Wann Training reicht und wann operiert wird.

Auf dieser Seite
  1. Warum die Kniescheibe herausspringt
  2. Konservative Behandlung
  3. Wann operiert wird
  4. Termin in Brühl vereinbaren
  5. Häufige Fragen
Kurz gesagt: Springt die Kniescheibe nach außen heraus, meist bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen, reißt fast immer das innere Halteband (MPFL). Nach der ersten Luxation wird konservativ behandelt: kurze Schienenphase, dann Kräftigung des inneren Oberschenkelmuskels, der Hüfte und Beinachsentraining über 3 Monate. Bei wiederholten Luxationen oder Knorpelabsprengung ist eine OP sinnvoll.

Warum die Kniescheibe herausspringt

Die Kniescheibe gleitet in einer Rinne am Oberschenkelknochen. Ist die Rinne flach, die Kniescheibe hoch stehend oder die Beinachse in X-Stellung, reicht eine Drehung bei belastetem Knie (Sport, Tanz), damit sie nach außen springt. Meist rutscht sie von selbst oder beim Strecken zurück, dabei reißt das mediale Halteband und oft wird Knorpel abgeschert. Folgen: starke Schwellung, Druckschmerz innen an der Kniescheibe, Angst beim Belasten. Nach der Erstluxation liegt das Wiederholungsrisiko bei 15 bis 50 Prozent, je nach Anatomie und Alter, nach der zweiten deutlich höher. Röntgen und MRT klären Knorpelschäden und die anatomischen Risikofaktoren.

Konservative Behandlung

Woche 0 bis 2

Schwellung und Kontrolle

Kühlung, Hochlagern, Kompression, Orthese mit seitlicher Führung für 2 bis 6 Wochen je nach Vorgabe, Gehen mit Stützen bis der Gang sicher ist. Quadrizeps anspannen, Streckung erhalten, Beugung bis 60 bis 90 Grad.

Woche 2 bis 6

Beweglichkeit und Aktivierung

Beugung schrittweise steigern, Kniescheibe mobilisieren, innerer Oberschenkelmuskel (VMO) und Hüftabduktoren gezielt aktivieren, Beinpresse in kleinem Winkel, Radfahren. Orthese abbauen, sobald die Kontrolle da ist.

Woche 6 bis 12

Kraft und Beinachse

Kniebeugen und Ausfallschritte mit Knie über dem Fuß, Step-downs, Einbeinstand, Hüftaußenrotatoren, Rumpf. Ziel: keine X-Stellung beim Landen und Abbremsen. Tape oder Bandage als Übergang bei Sport.

Ab Monat 3

Sport

Laufen, Sprünge, Richtungswechsel, Sportart-spezifisch. Rückkehr, wenn Kraft und Sprungtests über 90 Prozent liegen und die Angst weg ist. Bei erneuter Luxation Vorstellung beim Kniespezialisten.

Wann operiert wird

Bei abgesprengtem Knorpel oder Knochen im Gelenk sofort, bei wiederholten Luxationen oder ausgeprägten Risikofaktoren geplant: Das Halteband wird ersetzt (MPFL-Plastik), bei Bedarf die Rinne vertieft oder der Ansatz der Kniescheibensehne versetzt. Danach 6 Wochen Schutz mit Beugelimit, Kräftigung ab Woche 6, Sport nach 4 bis 6 Monaten. Die Nachbehandlung folgt dem Schema des Operateurs, den Rahmen beschreiben wir unter Physiotherapie nach Operation. Verordnung: Krankengymnastik, bei Vereinssportlern über die Sportversicherung. Mehr zum Knie: Knieübungen und Läuferknie und Patellaspitzensyndrom.

Häufige Fragen

Wie hoch ist das Risiko, dass es wieder passiert?

Nach der ersten Luxation 15 bis 50 Prozent, abhängig von Alter (jünger = höher), flacher Rinne, hoch stehender Kniescheibe und X-Beinen. Nach der zweiten Luxation deutlich höher, dann wird meist operiert.

Wie lange muss ich die Schiene tragen?

Meist 2 bis 6 Wochen mit seitlicher Führung, tagsüber beim Gehen. Sobald der Quadrizeps die Kniescheibe kontrolliert, wird sie abgebaut. Länger tragen schwächt die Muskulatur.

Welche Übung ist die wichtigste?

Kniebeugen und Step-downs mit sauberer Beinachse (Knie über dem zweiten Zeh, keine X-Stellung), kombiniert mit Hüftabduktoren und Außenrotatoren. Die Kniescheibe wird von außen nach innen gezogen, wenn Hüfte und innerer Oberschenkel stark sind.

Wann darf ich wieder Sport machen?

Nach konservativer Behandlung meist nach 3 Monaten, nach OP nach 4 bis 6 Monaten, jeweils wenn Kraft und Sprungtests über 90 Prozent liegen, keine Schwellung besteht und das Knie sich sicher anfühlt.

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