Meniskusriss: Operation oder Physiotherapie?
Ab 40 ist der Riss meist Verschleiß und wird nicht mehr operiert. Wann Training reicht, wann der Operateur gefragt ist.
Zwei Arten von Riss, zwei Wege
Der Meniskus ist eine halbmondförmige Knorpelscheibe, die Stöße im Knie dämpft und die Last verteilt. Beim jungen Sportler reißt er durch einen Unfall: Drehung bei belastetem Knie, oft zusammen mit dem Kreuzband. Ab 40 reißt er meist ohne Unfall, weil das Gewebe spröde wird, manchmal beim Aufstehen aus der Hocke. Diese degenerativen Risse finden sich im MRT bei jedem dritten Menschen über 50, oft ohne Beschwerden. Deshalb behandelt man heute den Patienten, nicht das Bild: Schmerz an der Gelenklinie, Schwellung, Schwierigkeiten in der Hocke und beim Drehen sprechen für einen relevanten Riss. Eine echte Blockade (Knie lässt sich nicht strecken) ist der Fall für den Operateur.
Konservativ: Physiotherapie
- Degenerativer Riss ab 40, auch mit beginnender Arthrose
- Keine Blockade, Knie lässt sich strecken
- 12 Wochen Training, Ergebnis nach 1 bis 2 Jahren gleichwertig zur OP
- Kein Narkoserisiko, keine Zunahme der Arthrose durch Meniskusentfernung
Operativ: Naht oder Teilentfernung
- Frischer Unfallriss bei jungen Patienten, gut durchbluteter Randbereich: Naht
- Eingeklemmter Korbhenkelriss mit Blockade
- Anhaltende Beschwerden trotz 3 bis 6 Monaten konsequenter Therapie
- Nach Naht 6 Wochen Teilbelastung und Beugelimit, nach Teilentfernung sofort belasten
Das Programm, das die OP ersetzt
Reizung beruhigen
Schwellung reduzieren (Kühlung, Hochlagern, Lymphdrainage), volle Streckung erhalten, Quadrizeps aktivieren, Radfahren ohne Widerstand. Tiefe Hocke, Knien und Drehen unter Last vermeiden, nicht aber Gehen.
Kraft aufbauen
Beinpresse, Kniebeuge bis 60 Grad, Step-ups, Hüftabduktoren, Oberschenkelrückseite. 2 bis 3 x pro Woche mit Steigerung. Ergometer mit Widerstand, Schwimmen. Reaktion am nächsten Tag ist der Maßstab: Leichtes Ziehen ist erlaubt, Schwellung bedeutet zu viel.
Belastbarkeit und Kontrolle
Tiefere Kniebeugen, Ausfallschritte, Einbeinstand auf instabilem Untergrund, Treppen bergab, Sprünge mit weicher Landung. Rückkehr zu Laufen und Sport mit sauberer Beinachse.
Nach 12 Wochen ziehen wir Bilanz: Sind Schmerz und Funktion deutlich besser, geht es ohne OP weiter. Wenn nicht, sprechen wir mit dem Orthopäden, mit einem trainierten Knie, das auch nach einer OP schneller wieder fit ist.
Rezept und Alltag
Der Orthopäde verordnet Krankengymnastik, oft 2 x 6 Einheiten, später Krankengymnastik am Gerät. Nach Meniskus-OP gilt der besondere Verordnungsbedarf. Im Alltag helfen: Treppen mit dem gesunden Bein zuerst hoch, mit dem betroffenen zuerst runter, keine Hocke mit Drehung, Schuhe mit Dämpfung, Gewicht reduzieren, wenn möglich. Radfahren ist die beste Alltagsbewegung fürs Knie. Mehr zum Knie insgesamt unter Knie- und Hüftschmerzen und Arthrose.
Häufige Fragen
Kann ein Meniskusriss von selbst heilen?
Im äußeren, durchbluteten Drittel ja, dort kann Gewebe heilen und dort wird auch genäht. Innen nicht, aber der Riss muss nicht heilen, um beschwerdefrei zu werden: Kräftige Muskeln und Belastbarkeit machen ihn im Alltag unbedeutend.
Wie lange dauert es nach Meniskus-OP?
Nach Teilentfernung: Gehen sofort, Alltag nach 1 bis 2 Wochen, Sport nach 4 bis 8 Wochen. Nach Naht: 6 Wochen Teilbelastung und Beugelimit, Sport nach 4 bis 6 Monaten. In beiden Fällen entscheidet die Physiotherapie über das Ergebnis.
Darf ich mit Meniskusriss Sport machen?
Ja, angepasst: Radfahren, Schwimmen, Krafttraining, Walking früh. Laufen, Ballsport und tiefe Hocke erst, wenn Kraft und Kontrolle da sind und keine Schwellung mehr auftritt.
Hilft eine Spritze?
Hyaluronsäure oder Kortison lindern kurz und können die Therapie erleichtern, ändern aber nichts an Riss oder Belastbarkeit. Sie sind Ergänzung, nicht Ersatz für das Training.