Karpaltunnelsyndrom: Physiotherapie ohne OP

Nachts kribbelnde Finger: Was im Frühstadium hilft, welche Übungen den Nerv befreien und wann die kleine OP der bessere Weg ist.

Kurz gesagt: Kribbelnde Finger nachts, die beim Ausschütteln besser werden: Das ist meist der Medianusnerv im Karpaltunnel. Im frühen Stadium helfen Nachtschiene, Nervengleitübungen und Belastungsanpassung bei etwa der Hälfte der Betroffenen. Bei Muskelschwund am Daumenballen oder dauerhafter Taubheit ist die kleine OP der bessere Weg.

Was im Handgelenk passiert

Der Karpaltunnel ist ein enger Kanal an der Handgelenksinnenseite, durch den neun Sehnen und der Medianusnerv laufen. Schwellen die Sehnenscheiden an, etwa durch monotone Handarbeit, Schwangerschaft, Schilddrüsenunterfunktion, Diabetes oder Rheuma, wird der Nerv gedrückt. Die Folge: Kribbeln, Taubheit und Schmerzen in Daumen, Zeige-, Mittel- und halbem Ringfinger, typisch nachts und morgens, beim Telefonieren, Radfahren oder Zeitunghalten. Später kommen Kraftverlust beim Greifen und Ungeschicklichkeit dazu. Die Diagnose sichert der Neurologe mit einer Nervenleitmessung.

Konservativ: was wir tun

  • Nachtschiene in Neutralstellung: verhindert das Abknicken des Handgelenks im Schlaf, 6 bis 8 Wochen jede Nacht. Die wirksamste Einzelmaßnahme im Frühstadium.
  • Nervengleitübungen: Der Medianusnerv wird durch Bewegungsfolgen von Fingern, Handgelenk und Ellenbogen im Tunnel bewegt, 5 x täglich 10 Wiederholungen. Reduziert Schwellung und Verklebung.
  • Sehnengleitübungen: Faust, Haken, Tisch, gerade Hand im Wechsel, damit die Sehnen im Tunnel frei laufen.
  • Manuelle Therapie: Mobilisation der Handwurzelknochen, Dehnung des Karpalbands, Behandlung von Halswirbelsäule und Ellenbogen, wenn der Nerv dort mitgereizt ist (Double Crush).
  • Belastung anpassen: Handgelenk gerade halten bei Tastatur und Maus, Griffe verdicken, Pausen, Vibration vermeiden. In der Schwangerschaft verschwindet das Syndrom meist nach der Geburt.

Wann die OP der bessere Weg ist

Bei Muskelschwund am Daumenballen, dauerhafter Taubheit, deutlich verlangsamter Nervenleitung oder wenn 3 Monate konservative Therapie nichts bringen, wird das Karpalband durchtrennt: ein Eingriff von 15 Minuten in örtlicher Betäubung mit sehr guten Ergebnissen. Danach begleiten wir die Nachbehandlung: Narbe mobilisieren, Nerven- und Sehnengleiten, Kraft ab Woche 3 bis 4, Vollbelastung nach 6 Wochen. Kribbeln, das schon lange besteht, braucht Monate, bis es nachlässt, weil der Nerv sich langsam erholt. Für die konservative Therapie verordnet der Arzt Krankengymnastik oder Manuelle Therapie, die Schiene wird als Hilfsmittel verordnet.

Häufige Fragen

Woran erkenne ich ein Karpaltunnelsyndrom?

Kribbeln und Taubheit in Daumen, Zeige- und Mittelfinger, nachts und morgens, besser nach Ausschütteln der Hand. Kleiner Finger nicht betroffen. Bestätigung durch Nervenleitmessung beim Neurologen.

Wie lange muss ich die Schiene tragen?

Nachts über 6 bis 8 Wochen, tagsüber nur bei belastenden Tätigkeiten. Dauerhaftes Tragen am Tag schwächt die Handmuskulatur und ist nicht sinnvoll.

Hilft Physiotherapie auch nach der OP?

Ja, bei Narbenproblemen, Steifigkeit, Kraftverlust oder anhaltendem Kribbeln. Meist reichen wenige Einheiten mit Narbenmobilisation, Gleitübungen und Kräftigung.

Kann das Karpaltunnelsyndrom vom Nacken kommen?

Ähnliche Symptome können von der Halswirbelsäule stammen, und beides kann zusammen auftreten. Wir prüfen Nacken, Schulter und Ellenbogen mit und behandeln die ganze Nervenstrecke.

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