Bandscheibenvorfall HWS: Physiotherapie
Nackenschmerz, der in Arm und Finger zieht: Wie der Nerv entlastet wird, welche Muskeln die Bandscheibe schützen und wann der Arzt gefragt ist.
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Was in der Halswirbelsäule passiert
Zwischen den Halswirbeln sitzen kleine Bandscheiben, deren Kern bei Verschleiß oder plötzlicher Belastung durch den Faserring tritt, meist zwischen dem 5. und 7. Halswirbel. Drückt der Vorfall auf eine Nervenwurzel, strahlt der Schmerz in den Arm aus: bei C6 in Daumen und Zeigefinger, bei C7 in den Mittelfinger, bei C8 in Ring- und Kleinfinger, dazu Kribbeln, Taubheit oder Schwäche. Husten, Niesen und Drehen des Kopfs zur betroffenen Seite verstärken ihn, den Arm auf den Kopf zu legen lindert oft (Abduktionszeichen). Der Vorfall selbst wird vom Körper über Monate abgebaut. Drückt er auf das Rückenmark (Myelopathie), entstehen Gangunsicherheit, Feinmotorikstörungen beider Hände und Blasenstörungen, dann ist eine schnelle OP nötig.
Nerv entlasten, Nacken stabilisieren
Nerv entlasten
Positionen und Bewegungen, die den Schmerz aus dem Arm zurück in den Nacken holen (Zentralisierung): Kinn-Retraktion, sanfte Traktion der HWS, Lagerung mit flachem Kissen. Manuelle Therapie an Brustwirbelsäule und Schulterblatt, um die HWS zu entlasten. Nervengleitübungen für den gereizten Arm.
Stabilisieren
Tiefe Halsbeuger (Kinn-Retraktion mit Halten), Schulterblattstabilisation, Brustwirbelsäule aufrichten, Rumpf. Kräftige tiefe Nackenmuskeln schützen die Bandscheibe wie ein Korsett. Unsere Schulter- und Nackenübungen enthalten die Basis.
Alltag
Bildschirm auf Augenhöhe, Handy nicht mit gesenktem Kopf, Kissen, das die Halswirbelsäule gerade hält, keine Bauchlage, keine ruckartigen Kopfdrehungen, Pausen mit Retraktion. Wärme für die verspannte Muskulatur, Kälte bei akuter Nervenreizung nach Belastung.
Ärztlich
Schmerz- und Entzündungshemmer in der akuten Phase, bei starker Nervenreizung eine Kortisoninjektion an die Nervenwurzel (periradikuläre Therapie). Operiert wird bei Lähmung, Myelopathie oder starken Schmerzen ohne Besserung nach 6 bis 12 Wochen. Eine Halskrause ist nur kurz und bei starkem Schmerz sinnvoll.
Der Orthopäde oder Neurologe verordnet Krankengymnastik oder Manuelle Therapie, meist 6 Einheiten, gern mit Wärme. Rechnen Sie mit 6 bis 12 Wochen bis zur deutlichen Besserung, Kribbeln kann länger bleiben. Mehr zum Nacken allgemein: Nackenschmerzen und HWS-Syndrom, zur Lendenwirbelsäule: Bandscheibenvorfall.
Häufige Fragen
Wie lange dauert ein Bandscheibenvorfall der HWS?
Die Armschmerzen bessern sich meist innerhalb von 6 bis 12 Wochen deutlich, der Vorfall wird über 3 bis 12 Monate abgebaut. Taubheit und Kribbeln brauchen oft am längsten.
Darf ich den Kopf bewegen?
Ja, im schmerzfreien Bereich, und zwar regelmäßig. Ruhigstellung mit Halskrause schwächt die Muskulatur. Vermeiden Sie nur Bewegungen, die den Schmerz in den Arm verstärken.
Welches Kissen ist richtig?
Eines, das die Halswirbelsäule in Seitenlage gerade hält und in Rückenlage nicht nach vorn drückt, meist flach bis mittelhoch. Keine Bauchlage, sie zwingt den Kopf in Drehung.
Wann muss operiert werden?
Bei Lähmungen, Zeichen einer Rückenmarkbeteiligung (Gangunsicherheit, Feinmotorik beider Hände) oder starken Schmerzen ohne Besserung nach 6 bis 12 Wochen konservativer Therapie. Über 80 Prozent brauchen keine OP.